„Was will ich mehr!“ sagte er in leisem Jubel. „Ich danke dir, Hedda, ich danke dir! Was bot mir das Leben bisher, und für wen lebte ich? Nur für mich selbst, und wahrlich, ich bin kein Egoist. Das ist kein Lob für mich, weil ich im Egoismus nichts als die schalste Langweiligkeit gefunden habe. Ist es nicht ertötend, immer nur an sich selbst denken und für sich selbst sorgen zu müssen? Geht man nicht tausendmal freudiger an sein Tagewerk, wenn man weiß, für wen man schafft und tätig ist, wenn man Zwecke und Ziele vor Augen hat?! Tagewerk – das klingt mir wie übertrieben. Mein Dienst war Spiel, war kaum eine Arbeit. Man hat mich immer auf recht bequeme Posten gestellt, – ein bißchen Repräsentieren war alles. Das ist vorbei; jetzt kommt wirklich die Arbeit. Denn fürderhin ist es nicht mehr gleichgültig, ob ich jährlich ein paar tausend Taler mehr oder weniger ausgebe, ich habe ja auch für dich zu sorgen und deine Zukunft. Und das alles erfüllt mich mit unaussprechlichem Glück, Hedda, es gibt mir recht eigentlich erst Lebenskraft – ich möchte sagen, es macht mich erst zum Manne.“
Der Eintritt Hellsterns unterbrach sein fröhliches Sprechen. Der Alte sah erregt aus und hatte einen roten Kopf.
„Ärger gehabt, Papa?“ fragte Hedda.
„Ja – allerdings,“ und der Baron nickte und winkte zugleich August, an dessen Arm er eingetreten war, das Zimmer zu verlassen. Schwer ließ er sich in seinen großen Stuhl fallen. „Es wird euch auch interessieren – es ist sozusagen eine Familienangelegenheit. Ich hoffte, Klaus Zernin würde nicht mehr zurückkehren. Aber es ist doch geschehen. Und nun das Schlimmste dazu: die Staatsanwaltschaft fahndet auf ihn. Wessels hat Ordre bekommen, ihn in aller Stille verhaften und nach Berlin schaffen zu lassen.“
„Aber mein Gott – weshalb?“ warf Axel ein.
Der Alte schnaufte gewaltig. Das Wort wollte ihm nicht von der Zunge.
„Eines – eines infamen Bubenstreichs wegen,“ sagte er endlich. „O – auch in unsern Reihen gibt es räudige Schafe, gibt es –“
Sein Blick fiel auf Hedda. Sie war ganz blaß geworden, und ihr brennendes Auge hing an den Lippen des Vaters.
„Du hast ihn immer noch verteidigen wollen, Hedda!“ schrie Hellstern, die Verfärbung des Mädchens falsch deutend. „Immer noch leiteten dich verwandtschaftliche Gefühle – aber man zerreißt die Bande des Bluts, wenn man es mit einem Lumpen zu tun hat. Gebe der Himmel, daß er uns nun für immer fern bleiben möge.“
Eine kurze Pause entstand, und dann fragte Hedda tonlos: „Also er ist – wieder – fort?“