Er brach mit einem Seitenblick auf die Bauern mitten im Satze ab. Es schien, als wolle er seine Zukunftshoffnungen nicht so vor allen Leuten preisgeben.

„Wie ist’s denn eigentlich ans Licht gekommen mit der Quelle?“ fragte Langheinrich.

„Ganz einfach,“ und Albert erzählte zum zwanzigstenmal die Geschichte der Entdeckung. Der Lehrer aus Frankfurt, der sich vorjährig mit Frau und Kindern während der großen Ferien im Kruge eingemietet hatte, um hier eine billige Sommerfrische zu genießen, war häufig in dem Buchenwäldchen auf der Grauen Lehne spazieren gegangen. Und da hatte er denn eines Tages mitten im Geröll und ganz verborgen unter Brombeerranken und Wacholdergestrüpp ein Wässerchen entdeckt, das mit auffallend starkem Geräusch zutage trat und zugleich Tausende von kleinen zierlichen Perlen und Bläschen bildete, – „so wie beim Selterswasser, Langheinrich, verstehst du?“ erläuterte Albert das Phänomen. Jedenfalls erschien dem Lehrer die kleine Quelle interessant genug, um den ihm befreundeten Professor Statius darauf aufmerksam zu machen. Der Professor analysierte das Wasser denn auch und sandte seinen Bericht dem Lehrer ein, der ihn wiederum an Herrn Feilner, den Kantor von Oberlemmingen, schickte.

„Da is er schunst!“ rief Tengler, der gewöhnlich platt sprach, und deutete nach der Tür. Feilner trat ein, ein langer Mensch mit einem um die Wangen gebundenen Taschentuch. Man kannte ihn gar nicht ohne Zahnschmerzen.

Die vier Möllers gingen ihm entgegen und begrüßten ihn höflicher, als es sonst ihre Art war; der Alte brachte sogar ein Glas Bier herbei und fragte, ob der Herr Kantor vielleicht etwas zu essen wünsche. Aber Feilner dankte; er habe nicht viel Zeit und wolle sich nur rasch seines Auftrags entledigen.

Dann nahm er am Mitteltische unter der Hängelampe Platz und zog den Brief des Professors hervor. Im Zimmer hatte sich alles erhoben und bildete einen Kreis um den Kantor. Eine aufmerksame Spannung lag auf den Gesichtern. Der alte Maracke hatte die Augen weit aufgerissen und hielt das linke Ohr umgeklappt, um besser hören zu können. Auch Dörthe hatte sich herangeschlichen und reckte sich auf den Zehen empor.

„Also paßt auf,“ sagte Herr Feilner. „Nämlich zuerst kommt, was die Quelle alles enthält. Hauptbestandteile: kieselsaurer Kalk, schwefelsaurer Kalk, Chlornatrium, Chlorkalium, Ferrokarbonat, schwefelsaure Magnesia.“

Er schaute auf und begegnete auf allen Seiten mordsdummen Gesichtern. Der alte Maracke schüttelte vor sprachlosem Erstaunen den Kopf und Braumüller fragte:

„Wat denn? Das ist alles drin?“

„Es kommt noch mehr,“ sagte Feilner, und Albert Möller rief „Ruhe“, obschon niemand sprach, und drängte den dicken Braumüller unsanft vom Tische zurück.