Der Kantor nahm wieder den Brief zur Hand und las weiter:
„Temperatur 8,07 Grad R. R. heißt nämlich Réaumur, womit das Wasser gemessen worden ist, und weil’s auch noch andre Thermometer gibt, zum Beispiel Celsius, der mißt höher, und Fahrenheit, den braucht man aber nur manchmal. Nun geht’s weiter. Geschmack leicht bitter, kristallhell, dem Rakoczy ähnlich, aber an Bestandteilen quantitativ geringer. Habt ihr verstanden?“
Den Mienen der Anwesenden sah man dies nicht an. Maracke schüttelte noch immer den Kopf und kratzte sich dabei hinter den Ohren. Braumüller wollte etwas fragen, aber der wißbegierige kleine Raupach kam ihm zuvor und schrie aufgeregt:
„Kinder, nu denkt mal, und das haben wir alles gar nicht gewußt? Dem Ra—, dem Ra—, wie war’s denn gleich? Wem soll das Wasser ähnlich sein?“
„Dem Rakoczy,“ erwiderte Bertold Möller, „das ist ’ne Quelle in Kissingen – auch eine Heilquelle ...“
„Und was ist denn nun so gesund da dran?“ fiel Langheinrich ein.
„Wartet mal,“ sagte der Kantor, „davon hat Professor Statius auch etwas geschrieben.“ Und er suchte in seinem Briefe. „Aha – da – hier steht’s: ‚Beschleunigung des Stoffwechsels, Ausscheidung anormaler Stoffe, gesteigerte Oxydation.‘“
Er schwieg wieder und steckte den Brief in die Tasche zurück.
„Was hat er gesagt?“ fragte Maracke, der noch immer sein Ohr umgeklappt hielt. Sein Nachbar zuckte mit den Achseln, doch der kleine Raupach schrie lebhaft:
„Stoffwechsel hat er gesagt! Das ist doch ganz einfach!“ – und Maracke nickte dankend und war so klug wie zuvor.