„Ich dacht’ es mir beinah’, meine Herren,“ erwiderte er. „Dürfen die Meinen dabei sein, oder ist es Ihnen angenehmer, unter vier Augen –“

Albert wehrte ab. Ihre Sache sei durchaus kein Geheimnis.

Der Rat bot ihnen Stühle und Zigarren an. Fritz betrachtete die seine mit Ehrfurcht. Sie hatte ein Bändchen um den schlanken Leib und sah nach viel Geld aus.

Dann entwickelte Albert seine Ideen und Absichten. Er sprach recht gewandt, erzählte zunächst von der Analyse des Professors Statius und von der Auskunft, die er persönlich über die Heilkraft des Wassers erhalten hatte, und ging hierauf auf die Finanzierungsfrage über. Man wollte ein Konsortium bilden, das die vorbereitenden Arbeiten ausführen solle, und dann das ganze Unternehmen in eine Aktiengesellschaft verwandeln.

Schellheim erkannte sofort, daß dieser lange Maurerpolier eine nicht gewöhnliche kommerzielle Begabung besaß. In der Darlegung der Einzelheiten verriet sich sogar eine so schlaue, zuweilen überraschend raffinierte Berechnung, wie der Kommerzienrat sie dem einfachen Manne kaum zugetraut hätte.

Die Rätin hatte sich mit ihren Söhnen absichtlich zurückgezogen. Die drei promenierten im Laubengang der zweiten Terrasse auf und ab, während oben Albert Möller mit lauter Stimme weitersprach. Die beiden andern Brüder saßen stumm neben ihm und nickten nur zuweilen mit dem Kopfe, um ihre Zustimmung zu allem zu bekunden, was der Wortführer sagte.

Plötzlich hörten die Promenierenden, daß Schellheim den Sprecher unterbrach. Der Rat wußte nun, wohinaus die Möllers wollten, aber es war unnötig, noch weiter über die Sache zu reden, ehe er sie selbst nicht klar überschauen konnte.

„Sie wünschen, daß ich mich Ihres Unternehmens annehme,“ sagte er, „daß ich mich theoretisch und praktisch daran beteilige – nicht wahr, das wollen Sie doch? Ich soll Ihnen sozusagen helfen, die Geschichte in Gang zu bringen, die Kapitalien zu schaffen, die geeigneten Repräsentations- und Arbeitskräfte zusammenzutrommeln.... Nun schön, ich bin dazu bereit –, die Sache interessiert mich, denn eure Quelle fließt mir sozusagen an der Nase vorbei. Aber erst muß ich mich selber orientieren. Eure Analysen genügen noch nicht. Man muß offizielle Persönlichkeiten heranziehen, Berühmtheiten ersten Ranges.... Und dann: eine kurze Frage. Sie wissen, lieber Herr Bau –“ er zögerte einen Moment, weil ihm der Titel Bauunternehmer zu lang erschien, und fuhr dann rascher fort: „Sie wissen, lieber Baumeister, daß ich Ihrem Vater schon vor Jahresfrist anbieten ließ, die Graue Lehne mit der Buchwaldparzelle zu kaufen. Ich bin noch immer dazu geneigt. Nun haben sich durch die Auffindung der Quelle die Preisverhältnisse natürlich wesentlich geändert. Allein vielleicht würden wir doch noch einig werden. Überlegen Sie einmal daheim, ob wir nicht von neuem über das Terrain in Verhandlung treten können ...“ Er schaute aufmerksam auf seine Fingernägel.... „Ich will Ihnen was sagen, meine Herren: die Heilquelle ist ja ganz schön, aber erstens ist es doch noch sehr die Frage, ob aus ihr wirklich etwas zu machen ist. Solche Säuerlinge gibt es zu Tausenden im Lande – die meisten sind nicht viel wert. Und zweitens wird Ihnen die Geschichte unendlich viel Scherereien und Schwierigkeiten machen, – ach du lieber Gott, Sie haben ja gar keine Ahnung, was es heißt, solch ein weitausschauendes Unternehmen ins Leben zu rufen! Ob es sich überhaupt lohnen wird?“ Der Kommerzienrat zog die Schultern hoch. „Ich glaub’s eigentlich nicht. Nein, ich glaub’s nicht! Wir haben kleine Badeorte, die nicht leben und sterben können. Geschäfte werden da kaum zu machen sein – an eine Dividende ist vorläufig gar nicht zu denken.... Na – man muß abwarten! Jedenfalls überlegen Sie sich den Verkaufsgedanken noch einmal. Wenn ich die Graue Lehne im Besitz hätte – ich glaube – ich glaube, ich würde die Quelle ruhig weiter fließen lassen. Das Risiko ist zu groß – zu groß ...“

Die drei Brüder hatten Schellheim mit keinem Wort unterbrochen. Aber von einem zum andern flog ein rascher Blick des Einverständnisses herüber, der zu sagen schien: nicht angst machen lassen, immer ruhig bleiben! Und nun antwortete Albert in respektvollem Tone:

„Verzeihen Sie, Herr Kommerzienrat, aber wir verkaufen die Graue Lehne bestimmt nicht. Und wenn Sie uns hunderttausend Mark auf den Tisch legen wollten, wir tun es nicht. Der Vater denkt gerade so. Und wenn Ihnen eine Beteiligung an der Ausbeutung der Quelle zu unsicher dünkt, dann müssen wir eben weiter gehen, so leid uns das tun würde. Die Frankfurter Produktenbank hat sich schon bereit erklärt –“