„Was grübelst du denn, Albert?“ fragte Bertold.
„Ach,“ entgegnete dieser lächelnd, „ich dachte so ’n bißchen nach. Das alte Herrenhaus ist gut gebaut. Mauern wie Festungswälle und Balken von Eisen. Das wäre leicht auszubauen. Die Lage ist wie geschaffen für das Sanatorium.“
„Der Baron wird dir was pusten,“ meinte Fritz, und Albert erwiderte trocken: „Bar Geld lacht!“
August kehrte zurück. Der Herr Baron säße schon wieder am Schreibtisch, aber er hätte nicht viel Zeit; es wäre ihm lieb, wenn es rasch ginge. Und dann führte er das Dreiblatt in das große, kahle, gewölbte Gemach, in dem der Baron zu arbeiten pflegte.
Er saß in dem ausgeschnittenen Halbkreis seines Tisches, mitten unter Haufen von alten Folianten und Papieren, die ihn wie eine Palisadierung umgaben. Und rechts von ihm saß Hedda, aber auf keinem gewöhnlichen Stuhl, sondern auf einem halben Dutzend übereinandergestapelter Foliobände von Merians Topographie, und vor sich auf dem Schoße hatte sie ein aufgeschlagenes lateinisches Lexikon und suchte für den Alten Vokabeln auf. Es war wundervoll kühl im Zimmer, und ein angenehmes Dämmerlicht herrschte, da die Läden vor den Fenstern geschlossen waren. Hellstern rauchte wieder seine Pfeife, doch es war nicht so schlimm wie sonst, und in die Tabaksatmosphäre mischte sich ein zarter Rosenduft, der dem großen Buschen entströmte, den Hedda auf eine Ecke des Schreibtisches gestellt hatte: ein hübsches Symbol blühender Gegenwart mitten unter dem Moderhauch der Vergangenheit, der aus den alten Chroniken, Pergamenten und Briefschaften aufzusteigen schien.
Hedda nickte den Männern freundlich zu, und Hellstern rief ihnen gleich entgegen:
„Tag, Möllers! Ich weiß schon! Wegen der Quelle – nicht wahr? Kinder, laßt mich mit der Geschichte in Ruhe! Ich will nichts davon wissen!“
Albert war sehr betroffen; Bertold rückte an seiner Brille, und Fritz machte ein dummes Gesicht und glättete mit dem Ärmel seinen Zylinderhut.
„Herr Baron,“ begann Albert endlich, „Sie werden uns doch wohl wenigstens anhören wollen –“
„Anhören – meinetwegen,“ grunzte der Freiherr. „Aber bitte, kurz, Kinder – ich habe den Kopf voll. Ihr hättet’s auch, wenn ihr euch mit dem schindludermäßigen alten Latein ’rumärgern müßtet –“