In der Schankstube wurden inzwischen die fünfzig Mark vertrunken, die der Kommerzienrat gespendet hatte. In eine der Fensternischen hatte sich Liese Braumüller mit ihrer Freundin Guste Thielemann zurückgezogen. Beide wisperten eifrig miteinander.

„Das hat lange gedauert, eh die Dörthe Fritzen ’rumgekriegt hat,“ flüsterte Liese. „Aber ’s wird wohl auch Zeit gewesen sein. Ich könnt’ was erzählen, wenn ich wollte. Und weißt du, Guste, in der Kirche seh’ ich die beiden noch nicht. Ich möchte wetten, daß da noch was darmang kommt –“

„Dörthe!“ erscholl in diesem Augenblick die Stimme der Möllern aus der Küche.

Das Verlobungsessen war fertig: ein kolossaler Schweinebraten in braun glänzender, knusperiger Schale, die quadratisch durchkerbt war. Und auch die Beilagen konnten aufgetragen werden: rote Rüben, Preiselbeeren und Milchreis mit Zimmet.

Fünftes Kapitel

Es war am Neujahrstage, als Hedda, in der Pelzjacke, die Pelzkappe auf dem Kopfe und den Muff in der Hand, zu ihrem Vater ins Arbeitszimmer trat. „Ich will zum Pastor, Papa,“ sagte sie, „ihm meinen Glückwunsch bringen. Hast du etwas zu bestellen?“

„Schöne Grüße, nichts weiter,“ antwortete der Baron. „Und warum er sich denn gar nicht mehr sehen ließe. Seine Beine sind noch flotter als meine.“

„Werd’s ausrichten. Hat die Post nichts Neues gebracht?“

Jetzt schlug sich der alte Herr mit der Hand vor den Kopf. „Sapperment,“ schalt er, „ich fang’ wirklich an, tranig zu werden! Die Hauptsache vergess’ ich!“

Er nahm einen Brief vom Tisch. „Weißt du, wer geschrieben hat?“