„Natürlich ist das die Hauptsache,“ bemerkte Fritz, „alles übrige wird sich schon finden. Und wie ist’s nun mit der Verlobung? Grade jetzt, wo wir alle so vergnügt sind, könnten wir auch gleich meine Verlobung feiern!“
„Sei doch man still,“ fuhr die Alte auf, und Albert fragte: „Deine Verlobung? – Ach, mit der Dörthe?!“
„Na, mit wem denn sonst! Vielleicht mit der alten Maracken?!“
Albert zog die Brauen zusammen, doch schon im nächsten Augenblick nickte er lebhaft mit dem Kopfe. „Schön,“ meinte er, „ich hab’ nichts dagegen ...“ Und dann nahm er Fritz an der Rockklappe und führte ihn etwas abseits. „Sag mal, du,“ fuhr er im Flüstertone fort, „Klempts Wiesenbucht grenzt doch an die Graue Lehne?“
„Dichte ’ran, Albert – dichte ’ran!“
„Na, und wenn der Alte mal stirbt, dann erbt doch die Dörthe das Ganze als einziges Kind?“
„Alles – i nu selbstverständlich, – Vater Klempt hat’s uns vorhin erst wieder auseinandergesetzt, daß die Dörthe noch gar nicht die schlechteste Partie ist.“
Albert nickte wieder. „Ich glaube, der Klempt wird’s nicht mehr allzu lange machen, Fritz. Er sieht schwindsüchtig aus. Das heißt, meinetwegen kann er hundert Jahre alt werden! Aber mit der Wiesenbucht – na, verlob dich nur erst! Meinen Segen hast du!“
Und wirklich wurde noch an diesem Abend die Verlobung Fritz Möllers mit Dörthe Klempt öffentlich verkündet. Fritz kletterte während der nächsten Tanzpause auf einen Stuhl und schrie seine Verlobung mit Stentorstimme in das Zimmer, und wer sich jetzt noch einmal unterstehe, so fügte er hinzu, seine Braut zu necken und zu ärgern, der werde ein paar hinter die Ohren kriegen, es sei ihm gleich, ob Bursche oder Mädel. Und nachdem er dies versprochen hatte, brachte er ein Hoch auf das Brautpaar, das heißt auf sich selbst und Dörthe, aus, und die Musik mußte einfallen, und alles brüllte mit, umringte ihn und die Dörthe, gratulierte, lachte und witzelte. Es war ein geräuschvolles, unaufhörliches Schnattern, während draußen noch immer mit leisem Plätschern der Regen fiel und das abziehende Wetter den Horizont erhellte.
Dörthe war so froh, daß ihr hübsches Gesicht wie von Sonnenschein überflutet war. Selbst die Möllern schien sich fügen zu wollen. Dörthe mußte ihr helfen, zu backen und zu schmoren, denn es sollte „in Familie“ gegessen werden. Der alte Möller stieg selbst in den Keller, ein paar Flaschen Rheinwein heraufholend, von denen er behauptete, die könne „jeder Vater mit seinem Sohne trinken“. Klempt wurde genötigt, im Extrazimmer auf dem grünen Sofa Platz zu nehmen. Er wußte gar nicht, wie ihm geschah; er hatte sich auf einen harten Kampf mit den Möllers gefaßt gemacht, und nun wickelte sich die Sache so glatt und rasch ab.