Mutter Möller war längst in ihre Küche zurückgekehrt und warf dort mit den Eisenringen des Herds umher, daß man es im Schankzimmer hören konnte. Das paßte ihr alles nicht; die Dörthe war keine Partie. Aber sie schwieg und wurmte sich heimlich. Die Eisenringe des Herds sprachen für sie.

Dörthe hatte aus der Entfernung die kleine Szene beobachtet. Nun stand Fritz vor ihr. „Rasch einmal ’rum,“ sagte er und faßte sie um die Taille. „Die Verlobungspolka, Dörthe! Morgen soll’s das ganze Dorf wissen!“

Er tanzte mit ihr. Sie war selig und hing mit glückstrahlendem Gesicht in seinen Armen.

Geige und Baß kreischten wieder. Das ganze Haus schien unter den Schwingungen der tanzenden Paare zu dröhnen. Da klirrten auf einmal die Fenster. Ein furchtbarer Donnerschlag erscholl, dann prasselte ein Regenschauer, mit Schloßen gemischt, zur Erde. Schreiend stoben die Tanzenden auseinander. Die draußen kegelnden Bauern, die von der Plötzlichkeit des Gewitters überrascht worden waren, stürmten in das Zimmer, triefend vor Nässe, mit dampfenden Kleidern.

Alles drängte sich an den Fenstern zusammen. Von Zeit zu Zeit erleuchtete ein greller Blitz die Nacht, und dann sah man den dicht fallenden Regen. Hatte es irgendwo eingeschlagen, so mußte das vom Himmel strömende Wasser den Brand auf der Stelle löschen. Man war sehr vergnügt bei dem Unwetter. Die meisten hatten ihre Ernte geborgen, nur ein kleiner, verhungert aussehender Kossät, Priestegall mit Namen, ächzte und jammerte: er hätte seinen Hafer noch nicht einfahren können.

Die Bauern von der Kegelbahn wollten tanzen, um sich warm zu machen. Aber Vietz war eingeschlafen. Man wollte ihn wecken, doch es war nicht möglich, den Trunkenbold zur Besinnung zu bringen. Da nahm Langheinrich den Baß zwischen seine mageren Beine und begann ihn zu bearbeiten, während auch der Geiger sein Spiel aufnahm. Das gab neuen Spaß, und bald wirbelten wieder die Paare durch das Gemach, unbekümmert um die diabolische Musik.

Auf einmal hieß es, der Kommerzienrat sei vorgefahren. In der Tat, eine geschlossene Equipage vom Augut hielt vor der Tür. Aber nicht der Rat stieg aus, sondern Albert Möller. Allgemeines Erstaunen; Schellheim hatte Albert in eignem Wagen nach Hause fahren lassen, – das hatte ganz gewiß etwas zu bedeuten!

Der alte Möller, Bertold und Fritz eilten Albert bis auf den Hausflur entgegen. Er zog sie in die Küche. „Es ist alles abgemacht,“ sagte er hastig, mit vergnügtem Schmunzeln um den Mund; „der Kommerzienrat schießt uns das Nötige aus eigner Tasche vor. Morgen fahre ich mit ihm nach Berlin zu seinem Anwalt ...“

Fritz sprang wie ein Besessener in der Küche umher. „Seht ihr wohl – hurra!“ schrie er; „ich hab’ ihn breitgetreten!“

Die alten Möllers und Bertold wollten Näheres wissen. Sie rückten Albert dicht auf den Leib und bestürmten ihn mit Fragen. Aber er war erschöpft und wollte zuerst etwas zu essen und zu trinken haben, erklärte auch, vom Geschäftlichen verständen sie ja doch nichts. Die Hauptsache sei, daß der Stein nun ins Rollen käme.