„Ich weiß nicht, was du hast, Papa,“ antwortete sie. „Ich bin kein Backfisch mehr und fühle mich durch die Anwesenheit des Doktor Schellheim eher geschützt als gefährdet. Allein Schlittschuh zu laufen, verbietest du mir auch. Ich kann doch nicht das Leben einer Nonne führen!“

Der Freiherr brummte etwas halb Unverständliches vor sich hin. Es klang so, als sage er, er könne nun einmal die Schellheims nicht leiden. Hedda schwieg, aber sie war verstimmt und verärgert. Sie hatte zum ersten Male das Gefühl, als laste die Einsamkeit des Baronshofs wie ein Alp auf ihr.

Gunther war pünktlich. Er kam im Schlitten, mit einem Schimmelgespann, das der Kommerzienrat erst vor kurzem gekauft hatte und dessen silberbeschlagenes Geschirr hell blitzte. Hellstern ließ sich nicht sehen, aber er hatte von seinem Arbeitszimmer aus die Auffahrt beobachten können. Und er hieb wütend mit der geballten Faust auf den Tisch.

Hedda war beim Nahen des Schlittens auf die Veranda getreten. Gunther half ihr beim Einsteigen und hüllte sie mit diskreter Sorglichkeit in das weiße Bärenfell, das als Decke diente.

Mit neidischer Miene schaute August dem eleganten Gefährt nach. Dann glitt ein zustimmendes Schmunzeln über sein Gesicht. Er hatte gehört, daß die Klingel im Zimmer des Freiherrn stark läutete, aber er beeilte sich nicht. Vorsichtig klopfte er den Schnee von seinen Stiefeln ab, ehe er in das Haus zurücktrat.

„Hast du keine Ohren?!“ schrie der Freiherr ihn an.

„Ich kann doch nicht hexen, Herr Baron! Erst mußte ich dem gnädigen Fräulein helfen!“

„Feuer in den Ofen!“ kommandierte der Alte. „Soll ich vielleicht hier erfrieren?“

August schaute auf das Thermometer, das am Pfeiler zwischen den Fenstern hing.

„Sechzehn Grad,“ sagte er. „Der Herr Baron werden sich noch so verpimpeln, bis Sie nachher kein Lüftchen mehr vertragen können.“