„Ich danke dir. Du findest immer den rechten Ton. Ist es dir denn so leicht geworden, dich von mir zu trennen? Soll ich dir erzählen, was ich gelitten habe? Soll es ganz aus sein zwischen uns? Hedda, hast du gar nichts mehr für mich übrig?!“

Sie fühlte, daß sie eine krankhafte Empfindung von Schwäche beschlich.

„Laß mich, Klaus,“ bat sie; „quäle mich nicht ...“

Er richtete sich straff auf.

„Also gut,“ sagte er. „Legen wir wieder die Maske vor. Es geht weiter bergauf. Es geht im Galopp bergauf, Hedda. Du hast gesehen, wie man mir mit gütigen Händen die Bahn ebnet. Der dicke Usen und Schellheim sind mir als rettende Englein zur Seite gestellt worden – das Weltkind in der Mitte. Ich werde noch ein reicher Mann werden und ein sehr solider Philister. Der Kommerzienrat hat auch schon eine Frau für mich in petto – irgend ein Judenmädel mit märchenhafter Mitgift. Es geht in der Karriere bergauf, Hedda ...“

Sie starrte ihn an, als begreife sie nicht, was er sprach. Ein Ausdruck zynischen Hohns lag auf seinem Gesicht. Es war wie eine Erlösung für sie, daß in diesem Augenblick Gerlinde Ponteck in das Zimmer trat, um sie in einer wichtigen Angelegenheit zu Rate zu ziehen: Auguste, Berta und Constance Tornow wollten auf den Landschaftsball in Weiß, Blau und Rosa gehen, doch war Gerlinde der Meinung, daß die drei Schwestern gleichmäßig Weiß tragen sollten – ob Hedda das nicht auch hübscher finde?

„Natürlich,“ sagte Zernin, „alle drei weiß, wie die Tauben, oder nein, wie ein Schwanentrio. Denn Weiß ist die Farbe der Unschuld und schon aus diesem Grunde jungen Mädchen bestens zu empfehlen. Aber Halsbänder aus schwarzem Samt dazu, wenn ich mir einen Vorschlag erlauben darf. Das gibt eine angenehme Abwechslung und erzielt einen pikanten Kontrast, dieweil die weiße Unschuld doch manchmal langweilig wirkt ...“

Fräulein von Ponteck lächelte krampfhaft, weil sie nicht wußte, wie sie sich diesem schrecklichen Menschen gegenüber benehmen sollte, und war froh, daß Hedda sie in das Nebenzimmer zog, um dort das A, B, C über die strittige Frage zu belehren.

Gunther hatte im Verlaufe des Abends wenig Gelegenheit gefunden, sich Hedda zu nähern. Er litt an beständigem Herzklopfen. Er hatte seinen Vater gebeten, den alten Freiherrn mit größter Delikatesse auszuhorchen, aber es schien, als sei es unmöglich, Hellsterns auf ein paar Minuten allein habhaft zu werden. In seiner fieberhaften Nervosität irrte Gunther von Zimmer zu Zimmer, langweilte sich bei den älteren Damen, scherzte mit den Backfischen, plauderte mit Zernin und setzte sich dann ein Viertelstündchen neben Frau Rittmeister Woydczinska, deren dunkle Schönheit auch auf ihn eine gewisse Anziehungskraft ausübte.

Mitten in der Unterhaltung aber versagte ihm das Wort. Er sah seinen Vater an der Seite Hellsterns durch die Zimmer schreiten. Der Kommerzienrat schien dem Alten die Räume zeigen zu wollen; er gestikulierte lebhaft, wies hierhin und dorthin, blieb zuweilen vor einem Bilde oder einer Statuette stehen und verschwand schließlich mit Hellstern im Speisesaal.