Hellstern ließ sich nieder und lehnte seine Krücken gegen den Stuhl.

„Ja,“ entgegnete er kopfnickend, „ich bin ein bißchen müde. Die verdammte Ischias dörrt einem das Mark aus den Knochen. Also Sie spekulieren auf Döbbernitz? Ich dacht’ mir’s beinahe, als ich Zernin bei Ihnen sah. Es mußte einen Zweck haben –“

„Ah ja“ – und Schellheim lachte kurz auf –, „so viel Kaufmann bin ich denn doch! Aber andrerseits reizt es mich auch, Herrn von Zernin wieder auf die Beine zu helfen. Es steckt ja doch eine ganze Portion Tüchtigkeit in ihm. Und es berührt immer tragisch, einen großen und berühmten Namen verschmutzen und versumpfen zu sehen –“

„Seine eigne Schuld,“ bemerkte Hellstern knurrig.

„Seine eigne Schuld – freilich, freilich! Aber darum nicht minder tragisch. Sein Vater hat am Ruhme Preußens und Deutschlands erheblich mitarbeiten helfen, und der Sohn steht vor dem Untergange. Durch eigne Schuld, ganz gewiß – Sie haben schon recht, Herr Baron. Aber ich erinnere Sie an die Worte Exzellenz Usens: seien wir nicht allzu pharisäisch! Aus Herrn von Zernin kann noch einmal etwas ganz Brauchbares werden, wenn er mit den alten Schulden aufgeräumt hat und man ihm ein klein wenig Beistand leistet.“

„Wird er Ihnen nicht zu viel für Döbbernitz fordern – fordern müssen, um seine Gläubiger befriedigen zu können?“

„Ah nein – ich kaufe nicht direkt, ich warte die Subhastation ab. Sie steht vor der Tür. Mit den ausfallenden Gläubigern werde ich Herrn von Zernin zu arrangieren versuchen. Es wird sich schon machen lassen.“

„Wenn der gute Wille da ist und eine geschickte Hand – warum nicht. Übrigens, leicht wird es Ihnen nicht werden, auf Döbbernitz Ordnung zu schaffen. Der Junge hat alles verlottert. Seit Jahresfrist ist nichts mehr bestellt worden, wie mir Tornow erzählt. Auf den Wiesen wächst Schilf, und die Felder sehen wie eine Prärie aus.“

„Aber der Boden ist gut, und das Ausruhen wird ihm nicht viel geschadet haben.“

„Ist richtig. Und schließlich – mit Geld ist alles zu machen.“