Die Weiden an der steinernen Brücke leuchteten rot. Hansohm schnitt sich eine starke und doch biegsame Gerte. Dann und wann fuhr er sausend damit durch die Luft.

„Wie köstlich die Frühlingsheide duftet,“ brach Fräulein Doktor endlich das Schweigen. Sie blieb stehen und sog in durstigen Zügen die herbe Luft ein. „Ach, und die Birken! Die ehrlichen, preußischen Stämme in ihrem konservativen Schwarz-weiß. Wie ich euch liebe!“ Sie legte ihre Wange an den Stamm. „Hansohm, ich bitte Sie, schnuppern Sie, wie das riecht, meine Nase feiert Orgien. Über ein Weilchen — und ich habe vergessen, daß es ein Lyzeum in Birkholz gibt. Denke nur noch an das Birkholz. Ahhh!“

Hansohm schlug immer noch mit der Gerte auf einen unbekannten Feind ein.

„Nun, Kollege? Sie scheinen mir noch nicht so weit zu sein. Nehmen Sie sich ein bißchen in acht, beinahe hätten Sie mir den Hut vom Kopf geschlagen. Wo sind Ihre Gedanken?“

„Ich dachte an meine zukünftige Tochter. Und wie ich abrechnen würde, wenn mir das passierte...“ Er köpfte wütend eine dürre Distel vom vergangenen Jahr.

Fräulein Doktor lachte kurz auf. „Sie lieben schnelle Justiz, Kollege.“

„Ja. — Und ich gäbe ein paar Jahre meines Lebens darum, wenn ich in Wahrheit reine Bahn schaffen könnte!“

„Sie sind blutdürstig. — Und die ‚paar Jahre‘ Ihres Lebens sollten Ihnen wertvoll sein.“

„Sind sie auch. Aber ich möchte sie einem andern Leben ansetzen, einem Leben, von dem kleinlicher Schulärger durch unausgesetztes Bohren schöne Jahre abfressen wird.“ Sein Finger wies nach der Stadt zurück. „Fräulein Doktor, in dem alten, grauen Hause wohnt ein Edelmensch. Ich habe ihn lieb. Lachen Sie mich nicht aus. Ich habe nie einen Menschen in meinem ganzen Leben so lieb gehabt, wie unsern Direktor Sörensen.“

Fräulein Dr. Stavenhagen war sehr blaß geworden.