„Mit ihrem ganzen Rüstzeug hat sie dreingeschlagen. Mit Keulen des Hohnes, mit den Schwerthieben ihres ausgesucht greulichen Lachens, mit Lanzenstichen der Ironie ... Und dann ist sie zum Schluß in der Pflanzenkunde recht deutlich geworden...“
„Himmelkreuzmohrenmordselement!“ fluchte das alte Fräulein Tingleff. — „Man möchte zum Bürgermeister laufen und den alten Pranger von seinem Oberboden holen. — Nun und wie verhält sich der Direktor?“
„Sie fragen noch? Wie ein Ehrenmann, der für die Rechte der Mütter eintritt. Er muß selbst eine sehr geliebte Mutter gehabt haben oder noch haben, nur so kann ich mir die Zartheit erklären, mit der er Frauen, ja selbst seine Schülerinnen behandelt.“
„Ich muß den Mann kennen lernen,“ sagte Fräulein Tingleff energisch. „Er soll abends den Tee bei mir trinken und mit mir Schach spielen.“
„Dr. Sörensen geht fast gar nicht aus...“
„Tatata, zu mir wird er kommen. Ich werde ihm meinen Besuch machen, dann muß er...“ Das alte Fräulein sah triumphierend aus. „Aber nun geh’ ich ins Bett, Doktorsche, Ihre Neuigkeiten sind mir in den Magen gefahren und schreien nach Baldriantropfen. Gute Nacht. Ziehen Sie oben sofort Ihre Pampuschen an und husten und niesen Sie nicht. Dingelmanns Haus ist zu leicht gebaut.“
Lachend versprach Fräulein Doktor größte Vorsicht, und dann trennten sich die beiden Hausgenossen.
Aber beide sahen, ehe sie sich zur Ruhe begaben, noch einmal nach dem alten Patrizierhause hinüber. Es lag ganz dunkel und Fräulein Tingleff stieg beruhigt in ihr riesiges Himmelbett. Aber Dora Stavenhagen wußte, daß das Studierzimmer des Direktors nach dem Garten herauslag, und daß wohl heute die grüne Schirmlampe noch lange brennen würde. —
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