„Herr von Heidekamp,“ fiel Sörensen ein, „ich kann doch unmöglich annehmen, daß Sie mich hier in meinem eigenen Hause beleidigen wollen...“

„Na, sehen Sie, Herr Direktor, da fängt’s ja schon an. Ich bin ein schlechter Diplomat. Also ich wollte nur sagen, ich bin nicht zuerst zu Ihnen gekommen, sondern war erst beim Lehrer Hansohm. Der Mann steht meinem Empfinden nahe, ein prächtiger, junger Kerl. Habe ihm heute eine Generalsekretärstelle bei mir angeboten, aber er will lieber bei 2000 Mark inmitten seiner geliebten Schulkinder verhungern, — na, das ist Geschmacksache. Aber er wollte mir auch durchaus keinen Rat erteilen, sondern verwies mich sofort an Sie.“

„Das ist schade, Herr von Heidekamp. Lehrer Hansohm ist ein heller Kopf, mit scharfem Verstand und einem warmen Herzen. Ich würde selbst zuerst zu ihm gehen, wenn ich mir in Birkholz Rat holen wollte.“

„Herr Sörensen, ich bin erstaunt. Sie zwingen mich zum Umlernen, und ich bitte Sie um Entschuldigung, wenn ich da vorhin etwas grob war. Ich muß aber sagen, es passiert mir zum erstenmal, daß ein Schulleiter nicht ‚fünsch‘ wird, wenn man zuerst zu seinem Untergebenen läuft und dann erst zu ihm.“

Sörensen lächelte. „Ich bin als Oberlehrer in guter Schule gewesen. Da habe ich gelernt, mich in erster Linie als Mitglied des Kollegiums, erst in zweiter als Direktor zu fühlen.“

Herr von Heidekamp staunte. „Merkwürdig, merkwürdig,“ sagte er kopfschüttelnd und sah Sörensen ganz steuerlos an. Aber dann wurde mit einemmal sein schönes, altes Gesicht freundlich und seine Stimme klang frohmütig: „Einen Irrtum einzusehen, dazu ist man ja nie zu alt. Geben Sie mir erst einmal Ihre Hand, Herr Direktor...“

Erne Sörensen drückte fest die dargebotene Rechte.

„Herr von Heidekamp, — ich fühl’s, es wird Ihnen schwer, zur eigentlichen Sache zu kommen, vielleicht doppelt schwer, weil Sie eben wohl erst entdecken, daß ich ein Freund Ihrer Sörine bin... Sie würden herzhafter reden, wenn Sie zu einem vielgeschmähten ‚Schulmonarchen‘ sprächen... wenn Sie — — verwunden könnten ...“

„Sie sind ein Menschenkenner,“ knurrte der alte Freiherr und brach dann plötzlich los: „Herrrr! was hat man in Ihrer Schule aus meiner Sörine gemacht???“

Sörensen drückte ihn begütigend in den bequemen Ledersessel zurück und schob einen weichen Schemel unter das kranke Bein.