Aber es ist da.

Wie gern bin ich immer im Herbst gegen den Sturm angelaufen. Dies Überwinden der anstemmenden Luft hat etwas unendlich Reizvolles, Gesundes für mich. — Jetzt stemmt sich auch etwas gegen mich an, aber es ist kein brausendes Sturmlied, es ist nur ein Raunen und Flüstern und doch schwer und schwül und unbehaglich. Ich wehre mich und zerteile das fremdartige Unbekannte, aber es ist überall wieder da. Beinahe körperlich.

Ich habe es ja gefühlt, daß ich von Anfang an hier wider einen Stachel löcken mußte, der gewillt war, unentwegt sondierend in mein geheimstes Innere zu dringen. Habe auch gespürt, daß es Schwierigkeiten und Vorurteile zu überwinden galt, von denen ich nicht weiß, wo sie ihren Ursprung haben. Bei vielen Leuten rannte ich wie gegen eine Mauer. Aber ebenso viele nahmen mich doch in Haus und Herz auf. Wenn ich allein an Heidekamp denke... Aber vielleicht denk ich schon zu viel daran...

Baurat Steinbrink, der Erbauer des Lyzeums, zog mich einmal am Stammtisch beiseite. Es war bis jetzt das erste und einzige Mal, daß ich dort war.

„Mein lieber Herr Direktor,“ sagte er, „fliehen Sie! Solange es noch Zeit ist. Sie sind nicht auf Birkholz geeicht. Wollen Sie aber durchaus hierbleiben und trotzdem nicht an der Mauer des spießbürgerlichen Vorurteils eingescharrt werden, dann heiraten Sie die außergewöhnlich häßliche Kusine des Apothekers und kommen Sie jeden Abend in die ‚Grüne Birke‘. Auch müssen Sie Ihre prächtige Frau Dietz entlassen und sich alle halbe Jahr von der Bürgermeisterin völlig ungeeignete Hausmädchen und Köchinnen von auswärts verschreiben lassen. Und was noch so Kleinigkeiten sind...“

Ich glaube, dieser Mann ist ein Eingeweihter. —

Aber auch ihm kann ich nicht helfen.

Und ich muß weiter der „Unbegreifliche“ von Birkholz bleiben oder zum „schwarzen Schaf“ befördert werden ...

Vielleicht hängt das auch von Kahl ab.

Von ihm und dem Ehepaar Asmus, — ob sie schweigen oder es vorziehen, zu schwatzen.