Die beiden berieten noch eifrig miteinander.
Und dann trennten sie sich und hatten, als sie jedes für sich allein waren, mit eins den kommenden fröhlichen Dienstag vergessen und dachten nur noch an Erne Sörensen und wer wohl die auffallende Persönlichkeit sein möchte, mit welcher der sonst so korrekte Sörensen sich so sorglos vor ganz Birkholz bloßstelle.
Sonntag abend.
Gott sei Dank, die Ferien sind vorbei.
Gewiß nicht ein ganz gewöhnlicher Ausspruch für einen Schulmann. Aber für einen Direktor doch wohl berechtigt.
Ruhe und Muße haben mir die Ferien nicht gebracht und dazu hatte ich rechtschaffenes Heimweh nach meinen zweihundertundfünfzig Kindern. Morgen sehe ich mein Völkchen wieder und wie es werden wird, wenn...
Erne Sörensen, so denke nicht dran, und pflücke den Tag. —
So pflückte ich mir am Dienstag ein paar gemütliche Stunden von dem Strauch Behaglichkeit, der nirgends so gut gedeiht wie in dem alten Hause von Dingelmann und Sohn gegenüber meiner eigenen Behausung. Es trieb mich zu dem bejahrten Fräulein Tingleff, die es aber an Jugendfrische mit uns allen aufnimmt. Uneingeladen kam ich, aber nicht unerwartet. Gottlob, daß es noch so warme Häuser im lieben Vaterlande gibt, wo man immer willkommen und immer zu Hause ist.
Drei Leute fand ich, die alte Dame, Fräulein Doktor und Klaus Hansohm, alle drei bemüht, der blassen Agnes Asmus einen frohen Abend zu schaffen, nachdem ihr wohl schon ein so köstlicher Tag beschert worden war, daß das junge Herz die Glücksfülle kaum fassen konnte. Kollege Hansohm mühte sich fast väterlich um sie und ihre süße, zarte Stimme, die uns kleine Volkslieder mit rührendem Reiz sang. Er plant eine Ausbildung der Stimme, wenn Agnes die Schule verlassen hat. Natürlich wäre bei dem bekannten Geiz der beiden Eltern nicht daran zu denken, aber Fräulein Tingleff ist jede schöne Gelegenheit recht, ihr Geld nutzbringend anzulegen. Am Abend kam auch der alte Dingelmann auf ein halbes Stündchen zu seiner „alten Flamme“ herauf. Aber ich schien ihn zu stören. Der Mann war befangen und fast möchte ich sagen, die beiden Damen waren es auch, ja selbst die junge Agnes, die doch sonst immer so lieblich strahlt, wenn sie mich sieht. Jeder wollte es mir verbergen, aber meine Sinne sind alle so leidgeschärft.
Irgend etwas liegt in der Luft. Wann ich es zuerst spürte, vermag ich nicht genau zu sagen.