„Wozu diese lange Erklärung? Es ist abgemacht. Aber daß Sie oben in Ihrem Vogelkäfig Ihren Petroleumkocher abstrapazieren, leide ich nicht. Es wird bei mir gegessen. Schlag 1 Uhr. Meine taube Tine soll uns ein gutes Essen auftafeln. Dazu braucht sie die Ohren nicht. Und süße Puddinge, eine schwere Menge müssen ’ran. Und Kuchen wird gebacken. War ja auch mal Backfisch in nebelgrauer Vorzeit. Soll Sörine Heidekamp auch mit her?“
„Diesmal leider nicht. Mutter Asmus hat’s untersagt.“
„Nennen Sie dies Weib nicht ‚Mutter‘.... Das Herz krempelt sich einem um, wenn man solche Neutra mit diesem Namen rufen hört, den unsereins sein Lebtag vergebens erfleht hat. — Mit aller innewohnenden Menschen- und Kinderliebe! Und doch umsonst erfleht.“
Wie wunderlich es klang aus dem alten Munde.
Fräulein Doktor machte ihr hilfloses Gesicht und hatte fragende Augen.
„Ja, Menschenkind, glauben Sie denn, ich wäre früher ein Kieselstein gewesen, um meine zweiundsiebzig Lenze nun für den Sörensen aufzuheben? Nein, Doktorsche, ich bin ein einsames Geschöpf geblieben, um meine Liebe zu behalten. ’s gibt halt so närrische Herzen, die geben ihren ganzen inneren Reichtum dem einen, und nimmt er nicht auch den Menschen dazu, ist’s bös. Denn der andere kann nicht teilen, kann sich nicht zersplittern. So ist’s mir ergangen. Namen nenne ich natürlich nicht. Täte ich’s, Sie lachten sich von Sinn und Verstand. Dazu ist mir meine Liebe zu schade. Und nun wollen wir von etwas anderem reden. Vom Dienstag, auf den ich mich freue.“
„Ich auch, ich auch!“ frohlockte Dora Stavenhagen, nahm das alte Fräulein in den Arm und reigte sanft wiegend mit ihr durch das Zimmer. Und sie dachte dabei, wie närrisch es doch im Leben zugehe, daß sie just an dem Tage, da sie mit seltsamer Gewißheit spürte, daß Erne Sörensen mit starken Fesseln an eine andere geschmiedet sei, ein frohes Tänzchen anhebe.
„Doktorsche,“ rief Fräulein Tingleff mit tiefem Knix, „wir sind eine feine Kumpanei. Das macht uns so leicht niemand nach. Was meinen Sie, wenn wir diesen Menuettwalzer als Probe betrachteten? Soll ich zum Dienstag die Hansohms und den Sörensen mit einladen und den Abend in einen Ball ausarten lassen? Ich kann technisch einwandfrei auf dem Kamm blasen...“
„Bitten Sie Herrn Sörensen lieber nicht... ich glaube, — ganz sicher — — es ist besser so. Aber Hansohms — o, das ist herrlich! Hoffentlich ist Lore wohl genug.“
„Und der Hansohm hat mir gesagt, daß er zu jedem Kalbsbraten in freund-brüderlicher Beziehung stünde. So soll er eine Kalbskeule haben.“