„Fräulein Tingleff!!!“
„Ja. Ist’s nicht merkwürdig? Und noch ein paar andere waren dabei, deren ich mich von der Kaisergeburtstagfeier in der Aula her erinnere...“
„Nun, da wird das Wespennest ja bald über ihn herfallen.“
„Warum ist der Mann auch nicht vorsichtiger!“ meinte Fräulein Tingleff ärgerlich. „Diese Randbemerkung gestatten Sie mir doch bei dem Herrlichsten von allen?“
„Eigentlich nicht. — Sörensen geht nur Wege, an denen seine unbestechliche Ehrenhaftigkeit als Weiser steht.“
Dora Stavenhagen umfaßte die alte Dame. „Nicht wahr, wir beide wollen die bekannten ‚Freunde hinterm Rücken‘ aus dem Sprichwort sein? Der Einsame wird uns brauchen können. —“
„Vielleicht,“ nickte Fräulein Tingleff ernst. „Aber als der Zug gestern hinausgedampft war, ging Sörensen an mir vorbei. Und da sah ich an seinem Gesicht, daß er niemand brauchte.“
„Gestern vielleicht nicht. Aber sein Leben ist noch lang.“
„Doktorsche, nehmen Sie mich in die Lehre. In diesem Falle sind Sie die Ältere. Ich hab mich noch nicht zur inneren Ruhe erzogen. Möchte immerfort helfen, auch ungerufen. Möchte die Menschen zu ihrem Glücke zwingen. Jetzt bin ich in dem Zustande der leeren Hände. Der ist fürchterlich.“
„O, ich fülle sie gern,“ sagte Fräulein Doktor herzlich. „Da habe ich z. B. zum Dienstag die Agnes Asmus für mich gekapert. Die Eltern sind über Land, ein seltener Glücksfall, und das Mädel soll bei mir Mittag essen. Dürften wir zum Nachmittag herunterkommen und an Ihrem schönen Flügel musizieren? Sie wissen, ich habe kein Instrument, und Agnes Asmus hat solch süße, reine Stimme. Es ist ein Genuß, sie singen zu hören, und für das Mädel selbst das schönste Geschenk, wenn man ihr Gelegenheit dazu gibt.“