Wunden, wie die meinen, heilt nur Wald und Heide.
„Das ist des deutschen Waldes Kraft, daß er kein Siechtum leidet.“ Und meine Heide ist vollends ein Jungbrunnen ....
Ich beschloß einen Ausflug mit meiner ersten Klasse, und die Getreuen waren freudig bereit, uns zu begleiten.
Klaus Hansohm entwickelte gleich einen regen Eifer. Er ist eine echte Künstlernatur, die über die einfachsten Ereignisse einen Schimmer gebreitet sehen will. —
Er sang mit der ersten Klasse. Liebliche Lenzweisen grüßten den Wald und die kraftstrotzende Heide, deren braune Dolden prall und voll dem Hochsommer entgegenharrten. Eine grenzenlose Fülle leuchtend roter Blüten will sie ihm zur Welt bringen. Und ich möchte beten wie der alte Heidekamper: „Herr, laß mich wieder die Heideblüte erleben!“
Auch meine Geige hatte ich mitgenommen.
Es hob ein Jubeln an, als ich sie auspackte.
Dann wurde es mäuschenstill, und ich sah in lauter andächtige Augen, während Johann Sebastian Bach in seiner Giaconne durch mich zu ihnen sprach. — Die Stille hielt auch noch nachdem an, und ich spürte ein rechtes Frohgefühl darüber, daß wir so prächtig miteinander schweigen können. Mit einem Male ein tiefes, hörbares Aufatmen und eine junge Stimme: „Großvaterli sagt, wer so spielt, der betet“.
Ich lächelte: „Das Großvaterli hat recht, wie immer.“
„Wie immer?“ fragte Sörine sinnend. Und dann kam der Schelm: „Großvaterli sagt aber auch, wir sollten das Abendbrot heute in Heidekamp essen.“