Sie lachte laut und ärgerlich auf und dann kam ein furchtbarer Hustenanfall, bei dem sie zu ersticken drohte. Sörensen sah mit Bestürzung, daß sich Blutstropfen in ihren Mundwinkeln sammelten. Er geleitete sie nach dem Sofa. „Lege dich nieder, Lisette, und ruhe dich aus. Heute nachmittag komme ich wieder und — bringe dich selbst in ein Sanatorium. Hier kannst du nicht bleiben, aber ich will auch nicht, daß du krank und allein in die Weite fährst....“
Sie sah scheu in sein fahles Gesicht, in dem die Augen wie zwei Kohlen brannten.
„Gott, Erne, wie du dir das zu Herzen nimmst. Und wir zwei hätten doch dem Nußknacker so schön ein Schnippchen schlagen können. Ich versteh dich gar nicht.....“
„Nein, Lisette. Wie solltest du auch.... Also ruhe dich jetzt. Und dann schreibe mir auf, welche Summe dir jener Mann — — — geliehen hat, — packe auch deine Sachen.“ Er legte ihr einen Schein auf den Tisch. „Mit diesem Geld löse hier deine Verpflichtungen.“ Dann verließ er das Haus. Draußen begegneten ihm die heimkehrenden Eheleute Bertels. Die sahen ihn erstaunt und mißbilligend an. Das war ja der Herr Lyzealdirektor Sörensen, und er kam aus der Stube von „Fräulein Balian“, und gab nicht einmal ihnen, den Wirtsleuten, Aufklärung darüber, sondern ging, zerstreut grüßend, davon. Als Sörensen am Nachmittag zurückkehrte, bedeutete ihm die Frau Schneidermeisterin sehr steif, daß „Fräulein Balian“ abgereist sei. Sie habe alles bezahlt und soweit sei alles in Ordnung. Aber es sei nicht schön, daß man sich nicht mal auf die Herrn Lehrer verlassen könne, die doch für Ordnung und Moral angestellt wären, und das wollte sie auch Herrn Oberlehrer Kahl sagen, der habe ihr die Person empfohlen. Ja, und ihre Tochter sollte noch heute bei Kahls kündigen.....
Die gute Frau Bertels war sittlich sehr entrüstet, aber Direktor Sörensen hatte augenscheinlich nur die Hälfte von dem gehört, was sie hervorsprudelte. Er war eilends davongegangen.
Zorn und Scham brannten in seiner Seele. — —
**
*
Die neunte Klasse mit den sieben- und achtjährigen Mädchen saß erwartungsvoll und horchte nach der Tür.
Herr Lehrer Hansohm hatte ihnen verkündet, daß der Herr Direktor heute zuhören wollte in der Religionsstunde. „Der liebe Herr Direktor“ hatte er gesagt.