„Vertilgen heißt aufessen“, sagte Trinchen Löms.
„Kann er ja gar nicht“, ließ sich eine ungläubige Thomasine vernehmen. „Sone ganze Stadt mit allen drin.“
„Phh! Wo er doch der liebe Gott ist? Der kann alles.“
„Vertilgen heißt hier nicht aufessen, sondern zerstören, einreißen, vom Erdboden wegfegen“, sagte der Direktor freundlich zu den Streitenden und strich liebkosend über die Blondköpfe.
„Herr Hansohm, ist das wahr?“ fragte daraufhin die kleine Ungläubige, und Hansohm bestätigte lachend.
Und dann saßen sie wieder eng aneinandergeschmiegt und Hansohm erzählte, und die Kinder berichteten aus den vorhergegangenen Stunden und fragten ihn um Unverstandenes.
Und immer wieder sah Direktor Sörensen, daß der liebe Herrgott der neunten Klasse ein guter, ja der beste Freund war, zu dem sie recht mit bewußtem Vertrauen aufsahen.
Und durch die kindlichen Bemerkungen hindurch lernte er auch das Elternhaus der Kinder kennen und erkannte die Wechselwirkung zwischen Schule und Haus. — Sah auch, wie den aufgeweckten Persönchen nichts verborgen blieb und sie sich nachhaltig mit sorglos von den Eltern hingeworfenen Bemerkungen beschäftigten.
„Ja, und als mein Brüderchen Differitis hatte, da sagte mein Papa zur Mutti, wie sie so weinte: ‚Gott kann uns das Kind erhalten, auch wenn alle Ärzte nein sagen‘“, berichtete ernsthaft Lenchen Verden. Und setzte hinzu: „Aber heute, als mein prachtvoller Federkasten nicht aufging und wir uns alle so damit quälten, da sagte mein Papa: „Da kann kein Gott helfen, da muß Schlosser Fuhls ran.“ — Der hat ihn dann auch aufgekriegt.“
„Na, der hat’s auch leicht mit — die vielen Werkzeuge,“ bestätigte Meta Fuhls, die Tochter des so ehrenvoll Erwähnten.