Am Sonnabend derselben Woche kehrte Sörensen aus Einingen zurück. Klaus Hansohm holte ihn am Nachmittag vom Bahnhof ab.
Sörensen entstieg sehr elastisch dem Abteil und sah den jungen Freund aus ernsten, aber hellen Augen an. „Wie jemand, der erholt aus einem frohen Urlaub kommt“, dachte Hansohm etwas befremdet, und dann biß er sich auf die Lippen, denn er hatte gesehen, wie Oberlehrer Kahl auf dem Bahnsteig auf und ab ging und nur gerade eben den Hut lüftete, als er an dem Direktor vorbeischritt.
Der kurzsichtige Sörensen hatte offenbar die unehrerbietige Art des Grußes gar nicht bemerkt.
Aber unten auf der Straße begegneten ihnen mehrere Honoratioren mit ihren Frauen, und es war wirklich befremdlich, wie langsam jede Hand nach dem Hute griff und wie geflissentlich die Frauen zur Seite schauten...
Klaus Hansohm beobachtete seinen Direktor, aber dieser war ganz unbefangen: „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie froh ich bin, lieber Hansohm, daß Sie mich heute abholten. Wie ein lieber Heimatgruß war mir Ihr Gesicht, obgleich — — — ich eben aus meiner Heimat komme“, sagte er dankbar. „Haben Sie Zeit, um aus der Hand von Frau Dietz eine gute Tasse Kaffee entgegen zu nehmen?“
„Für Sie habe ich immer Zeit, Herr Direktor“, entgegnete Hansohm warm.
Oben im Wohnzimmer war es sehr behaglich. Frau Dietz stellte rasch noch eine zweite Tasse neben die silberne Kaffeekanne und holte Pfeifen und Fidibusse, wie ihr Herr das liebte. In der Mitte des runden Tisches prangte der wohlgeratene Napfkuchen, den die Umsichtige zur Feier der Heimkehr gebacken hatte. —
„Trotzdem gefallen Sie mir gar nicht, Frau Dietz“, scherzte Sörensen freundlich ernst, nachdem er der treuen Dienerin ins Gesicht geschaut hatte. „Sie sehen aus, wie die selige Kassandra.“
„Das soll hoffentlich keine Beleidigung sein“, gab Frau Dietz gekränkt zur Antwort.
„Nein, Frau Dietz, Kassandra war eine durchaus anständige Frau“, sagte Sörensen möglichst ernsthaft. „Aber ich möchte wissen, welches Unheil Sie mir prophezeien wollen....“