„Oh, nicht doch! Es ist kein Schwärmen, es ist Erleben. Sie sind mir die Erfüllung meiner Bitte: „Herrgott schick meiner Heimat Birkholz einen Lehrer von Gottes Gnaden!“ Denn nur durch die Kinder kann man an diese stillen, schweigsamen, in uralte, schier verweste Anschauungen verrannten Heidjer heran. Und es lohnt sich wahrhaftig, das Innerste bei ihnen herauszuholen.“
„Es ist mir nicht gelungen“, sagte Sörensen düster.
„Nicht gelungen?“ rief Hansohm leidenschaftlich. „Gehen Sie denn mit geschlossenen Augen umher? Anders finde ich keine Erklärung. Denn ein Erne Sörensen ist nicht ‚bescheiden‘ im landläufigen Sinne....“
„Vielleicht war ich bewußt blind“, gab Sörensen zögernd zu, und ein zages Glücksgefühl zog durch seine Seele in der Vorahnung, der junge Kollege könne recht haben. „Vieler Jahre Leid wuchteten schwer..... Ich sah zuviel nach innen und suchte Schuld in mir.“
„Sie ehren mich“, murmelte Hansohm. Und nach einer Weile: „Kann dies Leid niemals sterben? Ist es fressendes Gift?“
Nun sprang Sörensen auf und stand vor dem Jüngeren und nahm ihn bei den Schultern: „Freund Hansohm, was fragen Sie da? Eine gute, verständige Frage ist’s. Und sie rüttelt mich wach. Ja, mein Leid darf sterben. Und Sie sollen mir helfen, es einzusargen und in der gütigen Muttererde der Heide zu begraben.“ —
„Das will ich, das will ich“, rief Hansohm eifrig. „Und mit solchen Augen, wie sie jetzt auf einmal in Ihnen leuchten, werden Sie ihr Werk erkennen. Werden sehen, was Ihnen in unglaublich kurzer Zeit gelungen ist. All das Verschüttete, das ganze Pompeji und Herkulanum des seligen Claußen, — Sie, Erne Sörensen haben es herausgegraben! Was sind die paar Maulwürfe? Was können Kahl und Genossen ausrichten, wenn Sie wollen, Herr Direktor? Ein aufklärendes Wort von Ihnen genügt...“
Sörensen stutzte und blieb stehen.
„Ich soll.... Kollege Hansohm, — Sie meinen — ich soll Farbe bekennen? Soll mich gegen — — anonyme Beschuldigungen verteidigen?“
„Nicht ganz so schroff — — Herr Direktor — o nun habe ich wohl alles verfahren — — wie leid mir das ist — —“