„Wir wollen nicht wieder darauf zurückkommen, lieber Hansohm“, sagte Sörensen ruhig ernst. „Das Kind Birkholz ist nicht reif genug, wie Sie selbst sagen, um sich zum Richter über mich aufwerfen zu dürfen. Es ist aber auch nicht jung genug, um zu meinen Füßen zu sitzen und sich belehren zu lassen. So muß es denn nach eigener Fasson selig werden.“

Klaus Hansohm sah tief bekümmert aus.

„Meine beiden Liebsten!“ sagte er traurig. „Meine Heimat und Sie! Und wollen nicht zueinanderkommen .... Da geht viel Segen verloren.....“

Sörensen schwieg. So wanderten sie eine geraume Weile nebeneinander her. Mit einmal blieb der Direktor stehen: „Hansohm, haben Sie etwas von Agnes Asmus gehört?“

Klaus Hansohm sah ihn fast erschrocken an. „Können Sie Gedanken lesen, Herr Direktor? In dem gleichen Augenblicke wollte ich von Agnes Asmus sprechen.“

„Ich habe da ein Versprechen gegeben, an Sörine von Heidekamp“, sprach Sörensen nachdenklich. „Und habe es nicht eingelöst. Das ist mir sehr, sehr leid. Meine Reise und — quälende Begleitumstände hinderten mich völlig. — — Ich will noch heute nachmittag zu den Eltern Asmus gehen und möglichst alles Versäumte nachholen.“

„Sie werden sie nicht treffen. Asmussens wollten heute vormittag nach Luhenmoor fahren, um einer Tante, zu der Agnes nach ihrer Konfirmation übersiedeln soll, das Mädelchen zu zeigen.“

„Das gerade wollte ich verhindern“, Sörensen war erschrocken und peinlich berührt. Dann stampfte er ungeduldig mit dem Fuße auf. „Kollege Hansohm, Sie sehen mich ärgerlich und verlegen. Denn ich habe mein Prinzip durchbrochen, Kindern vor allen andern Menschen ein gegebenes Versprechen zu halten. Nun verfolgen mich die vorwurfsvollen Augen der jungen Sörine.....“

„Ich möchte Ihnen eine Frage vorlegen, lieber Herr Direktor“, sagte Hansohm zögernd, „und ein Geständnis machen. Ich — ich bin der Agnes Asmus gut. Das tiefe, erbarmende Mitleid mit ihrer Lage hat Wärmeres bei mir ausgelöst. Und ihre köstliche, junge Stimme habe ich lieb. Glauben Sie, daß es Unrecht ist, dem so jungen Kinde davon zu sprechen, sobald es die Schule verlassen hat?“

„Nein, nein, Hansohm, wie sollte das Unrecht sein?“ Sörensen sah ihn froh bewegt an. „Welch liebe Lösung wäre das! Ungewöhnlich, ich gebe das zu. Aber Ungewöhnliches kann wunderschön sein.“