„Warum soll das große Los immer in die Lotterie der Besitzenden fallen? Sie sind das große Los, guter, treuer Hansohm!“ Sörensen war ganz Aufgeregtheit und Freude. Eine Zentnerlast schien von seiner Seele gefallen. „Und wie wird sich die Sörine freuen!“
Hansohm sah erstaunt auf seinen Direktor.
„Diese Wirkung meiner Mitteilung hätte ich gar nicht zu hoffen gewagt“, meinte er. „Ich danke Ihnen von Herzen. Denn nun steht mein Entschluß fest. Und ich habe gegründete Hoffnung, daß die Eltern Asmus, wenigstens die Stiefmutter, — es begrüßen werden, ihr Kind bald los zu sein. Ohne Kosten“, setzte er bitter hinzu. „Denn ich habe meinen jungen Hausstand bereits in tadelloser Verfassung. —“
Sörensen drückte ihm die Hand. „Gott schütz Euch beide“, sagte er brüderlich herzlich.
„Meine kleine Agnes ahnt natürlich nichts.“ Klaus Hansohm schoß das rote Blut in das junge ernste Gesicht. „Aber ich weiß, daß sie mir rückhaltlos vertraut und innig dankbar ist. Und warum soll ein Verlöbnis nicht Glück bringen, das auf Vertrauen und Dankbarkeit aufgebaut ist?“
„Zwei seltene Kräutlein heutzutage, lieber Hansohm, ich halte sie für ein schönes, festes Fundament.“
Und bei sich dachte Sörensen: „Du lieber, frischer, fröhlicher Gesell! Du wirst nicht lange auf die ‚Liebe, welche die größeste ist‘ warten müssen, sie wird sich noch mit in Eures jungen Nestes Grundstein einmauern lassen. —“
**
*
Am Montag, der diesem hellen Sonntag folgte, trat Direktor Sörensen um 8 Uhr zur Andacht in die erste Klasse. Und er sah mit rasch umfassendem Blick durch seine scharfe Brille, daß zwei Plätze leer waren. Sörine Heidekamp und Agnes Asmus fehlten.