„O ich wußte, daß Sie schelten würden“, sagte sie traurig. „Vier Jahre lang habe ich diese Schelte gefürchtet .... Aber heute dürfen Sie nicht schelten, ich habe ja die Mutter mitgebracht, da darf doch Birkholz nichts sagen.....“
„Die Mutter? — Welche Mutter?“
„Die Mutter Gesine aus Einingen, — ich hab sie geholt ....“
„Sörine,“ rief er gequält, „warum tun Sie das alles???“
„Weil — weil....“ Sie beugte sich nieder und legte ihren Kopf auf seine verbundene rechte Hand. Weh schluchzte sie auf.
„Weil Sie Mitleid mit dem Totwunden hatten, — nicht wahr, Sörine? Sie waren immer so ein impulsives kleines Geschöpf.... Aber ich möchte kein Mitleid von Ihnen annehmen. —“
„Ach nein“, sagte sie kindlich. „Mitleid habe ich gar nicht mit Ihnen. Dazu sind Sie ja viel zu groß. Eher ein bißchen Angst....“
Da lächelte er schattenhaft.
Und dies Lächeln gab ihr Mut: „Wiegt denn kindisches Vergehn so schwer?“ fragte sie dringend. „Haben Sie denn nie und nie etwas Unüberlegtes getan, als Sie jung waren....?“
Er atmete schwer. Aber er sprach kein Sterbenswort. Nur seine Gedanken jagten sich und raunten: „Sprich weiter, kleine Deern. Ich habe dir in dem Augenblick schon verziehen, als du so töricht und unüberlegt vor mir standest. Was für ein seelengutes Herz du hast, Sörine, meine junge Schülerin von einst. Sprich weiter, aber laß mich schweigend neben dir sitzen. Denn sonst begehe ich die größte Torheit meines Lebens und nehme dich in meine Arme und drücke dich tot.“