Er lachte sein altes, schönes, sonores Lachen. „Sörine, du hast mich einst feierlichst gebeten, dich ‚Sie‘ zu nennen, aber nun muß ich dich ebenso feierlich bitten, ‚Du‘ zu sagen, kleine, närrische Deern.“

Da küßte sie seine Hand, die er ihr erschrocken entzog. „Ich will alles tun, was du willst, Erne Sörensen.“ Und hinterher kam ihr frohes Kinderlachen, um das er sie einst beneidet. Das sollte nun sein einsames Haus durchwärmen und durchleuchten, es war schier nicht auszudenken. „Ich habe ja ein halbes Jahr Schule nachzuholen“, rief sie glücklich. „Das sagte ich auch dem Großvaterli, als er mich in einer frohen Stunde neckte, und immer rief: Sörine! Ausgerechnet ein Schulmeister! Dann meinte er: So muß ich wohl schon wegen Schulgeldersparnis zufrieden sein. — Ach Erne, wenn Ihr erst ganz zusammen seid, Großvaterli und du! Er sagte, du wärst ein Dickkopf, und würdest mich gar nicht wollen....“

So plauderte der junge Mund und Sörensen dachte, daß diese Stunden alles auslöschten, was er Herbes durchlebt.

Und die Mutter sah auf die junge, feine Tochter und nahm ihre Hand und streichelte sie scheu. Gottes Segen über dich, kleines Mädchen, du willst meinen Sohn gesund machen an Leib und Seel. —

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Mutter Gesine und Sörine fuhren nach Heidekamp.

Nur für eine Nacht. Morgen wollte die Mutter die Pflege des Sohnes übernehmen.

Sörine hielt fest einen großen Brief auf ihrem Schoß.

Der barg in kurzen, markigen Zügen das Bild von Erne Sörensens harter Vergangenheit. Und er enthielt die ehrerbietige Bitte des gereiften Mannes an den alten Herrn von Heidekamp, ihm sein Kleinod Sörine zum Weib zu geben, das er, Erne Sörensen, hüten und hegen wolle, so wahr ihm Gott helfe. —

Und oben im alten Patrizierhause saß Sörensen am Fenster, und wenn er auch die Sonne nicht sah, die in wonnevoller Schönheit hinter den Föhren unterging, so leuchteten dafür drei Glückssonnen in seinem ehrlichen Herzen: Sohnesliebe, Mannesliebe und Heimatliebe.