„Du süße Deern, mein Kleinod, vergib, wenn ich dich quäle. Aber du bist in allem andern mir so fern. Du bist reich, — verwöhnt, — ich hab dir nichts zu bieten als meine Liebe. Und ich würde auch der Herrin von Heidekamp gegenüber der Herr sein wollen. Hat das wohl auch dein Großvaterli bedacht?“

Sörinens Stimme bebte. „Ja, Sie quälen mich sehr. Großvaterli war gütiger. Ich kam in meiner Herzensnot zu ihm und fragte um alles. Da sagte er: Wenn du diesen Sörensen mehr liebst, als dich selbst, dann sollst du handeln wie eine echte, aufrechte Heidekamperin. Die haben alle zu ihren Gatten gesprochen: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehn — dein Gott ist mein Gott.“ So hat das Großvaterli gesagt.“

Da stieß Sörensen einen urwüchsigen, gewaltigen Juhuuschrei aus. Als sei er nicht der gestrenge und nebenbei arg verwundete Lyzeumsdirektor, sondern ein junger übermütiger Bursch, der in der roten Heide liegt, die seine Heimat ist. —

Und Erne Sörensen küßte inbrünstig sein feines, schönes Mädchen.

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„Ich glaube, mein Sohn Erne ist gesund geworden“, sagte draußen auf der Wohndiele Mutter Gesine zu Frau Dietz. „Aber mich haben sie, scheint’s, vergessen...“

Und sie klinkte leise die Tür auf, hinter der das Glück wohnte. —

Ein Weniges erschrocken war sie über ihres Erne verändertes Aussehen, denn man hatte ihr das Ärgste verschwiegen von dem furchtbaren Brande da draußen. Aber er tröstete und beruhigte das kleine, weinende Mutterchen. „In acht Tagen darf ich die Brille abnehmen, — denk, Mutter, dann bin ich gesund....“

„Und dann können Sie mich auch sehen“, sagte Sörine ernsthaft.