Da war Mutterchens Mission zu Ende.

So meinte sie. Und sie packte ihre Sachen und zog wieder in unser Heidedörfchen. Dort sitzt sie in ihrem alten Hause, darinnen sie mich geboren, und wo unser guter Vater starb. In ihrem feinen Herzenstakt glaubte sie, die ehemalige Waschfrau könnte meiner Laufbahn im Wege sein. Und all mein beredtes Werben um sie und ihr Bleiben konnten ihren Entschluß nicht erschüttern.

Der schwerwiegendste und letzte Beweggrund: „Mutter, ich brauche dich und deine Gegenwart wie das liebe Brot“, habe ich nicht ausgesprochen. Zu viel Opfer hatte mir schon die liebe Unersetzliche gebracht. Ich sah, wie ihr Herz und ihre Hände nach der engen Heimat, nach der alten, schwer entbehrten Arbeit verlangten. Eine tüchtige, alte Magd trat an ihre Stelle. Mein Körper war immer gut versorgt, die Herzspeise fand ich in Mutters kärglichen Briefen. Ich selbst schreibe zu ihr jeden Sonntag. Komme mir beinahe wie ein Pfarrer vor, der seine Sonntagspredigt und Sonntagsstimmung vorbereitend genießt.

Von Lisette erwähnen wir beide nichts.

Ich weiß, daß Mutter meine Not begriff...

Aber sie wurzelt auch wieder mit allen Fasern in den göttlichen Geboten. Der alte Lutherkatechismus vom Großvater her lag immer auf ihrem Bettischchen. Ich sah einmal, daß sie das vierte und das sechste Gebot mit leuchtend rotem Stift angestrichen hatte. —

Daß ich ihr den Schmerz meiner unglücklichen, häßlichen Ehe zugefügt habe, wird mich immer brennen...

Von Lüneburg aus konnte ich oft die beiden kleinen Heidegräber aufsuchen, die Frau Pastor Verden mir betreut.

Schlaft wohl, Erne und Jens Sörensen! —

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