Professor Traute schob sich eilends auf den Vorsaal. Hier prallte er unsanft mit Direktor Sörensen zusammen, welcher rasch etwas aus dem Lehrerzimmer holen wollte. Traute entschuldigte sich wortreich unter tiefen Verbeugungen und trat dann zu Oberlehrer Kahl, dem er zuraunte: „Dieser Hansohm ist ein Fuchs und ein Schwätzer dazu, werde Ihnen auf dem Nachhauseweg erzählen, Kollege... Und der neue Direktor — hm — — merkwürdig, hä hä — wenn mich nicht alles täuscht, hat der am Lehrerzimmer gehorcht vorhin, — — als ich die Tür aufriß, stießen wir förmlich aufeinander...“

„Ist die Möglichkeit! Ei ei — sieh, sieh...“

Die beiden Biedermänner gingen in ihre Klassen.

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Der Singsaal im neuen Lyzeum von Birkholz war ein prächtiger Raum.

Wenn man darinnen saß und seine Augen wandern ließ, dann dachte man wohl, der Baumeister müsse zugleich ein rechter Jünger der heiligen Cäcilie gewesen sein.

Und man dachte recht.

Baurat Steinbrück stammte aus Thüringen und war in dem architektonisch reichen Städtchen Birkholz „hängengeblieben“. Er spielte alle bekannten Instrumente und noch ein paar darüber, er sang im Chor der Martinskirche und in der Birkholzer Singakademie und hätte es gern gesehen, wenn die Magistratssitzungen, denen er als Stadtverordneter beiwohnte, im Opernstil getagt hätten. Seinem unablässigen Werben und Wirken verdankte Birkholz den akkustisch vollendeten Raum, in dem die Kinderstimmen der Stadt von dem feinsinnigen Musiker Hansohm geschult wurden.

Ein guter Stern leuchtete über dem Singsaal.