Denn während alle anderen Räume des Lyzeums kahl und schulmäßig dreinschauten, bekam der Singsaal bei der Einweihung drei Paten, die segnend die Hände über ihn hielten.

Der eine war der Inhaber des großen „Spezerei- und Gemischtwarenladens Dingelmann und Sohn“, der, wie er von sich selbst sagte: „Längst zum größten Delikateßgeschäft und zur bekanntesten Wurstfabrik gediehen“, doch noch aus Pietät die wunderliche Geschäftsbezeichnung über seiner Tür beibehielt. Der zweite war der „Kammerherr“, wie man kurzweg den alten Sonderling Freiherrn von Heidekamp auf Heidekamp-Birkholz nannte, und der dritte Pate war eine Patin, ein altes Fräulein Tingleff, das seit vierzig Jahren im zweiten Stockwerk des Hauses Dingelmann und Sohn wohnte. Seit vierzig Jahren, man sagte, seit dem Tage, da sie dem alten, damals sehr jungen und sehr blonden Dingelmann ihre begehrte Hand verweigerte, zankte sie sich mit ihrem Wirt und konnte sich doch nicht von ihm fortfinden.

Und seit vierzig Jahren überboten sich die beiden „Feinde“ im Wohltun für die Stadt Birkholz.

Da nun das wunderliche Fräulein Tingleff fand, der neue Lyzeumsingsaal sei viel zu hell und werde all die sonnigen Kinderaugen in Grund und Boden verderben mit seinem kalten Licht, so „stiftete“ sie ein buntes Fenster, das die heilige Cäcilie darstellte.

Der Chef der Firma Dingelmann und Sohn konnte darüber auch nicht eine einzige Nacht schlafen, sondern ging stracks zu Herrn Lehrer Hansohm, um ihn um Rat zu fragen. Und so stand schon nach vierzehn Tagen ein von Dingelmann gestifteter Bechsteinflügel im Saal. Und nach weiteren vierzehn Tagen begann man mit der Aufstellung einer wunderschönen Estay-Orgel, die Freiherr von Heidekamp für den Singsaal notwendig hielt. Und Lehrer Hansohm war darüber so glückselig, daß ihm die Augen naß wurden.

Die scharfen Blicke des Orgelstifters, welcher der Aufstellung beiwohnte, entdeckten die verleugneten und rasch beseitigten Tränen.

Sie gefielen ihm inmitten der öden Trockenheit, mit der die große Schule bisher geleitet wurde.

Und der Mann gefiel ihm auch.

Das sagte er ihm freilich echt heidekampisch: