„Lieber Herr Schulmeister, Lehrer müssen sein, weil sie der Herrgott als eine der sieben Landplagen auf der Erde vergessen hat. Mir kommt keiner über die Schwelle, aber Sie...“
Und nach einer längeren, für Hansohm halb peinlichen, halb interessanten Pause hatte der Kammerherr ihn ohne weiteres am Rockknopf zu sich herangezogen.
„Meine Enkelin, die Sörine, der lüttje Katheiker, hat mir viel, viel Liebes von Ihnen erzählt, Herr Schulmeister, ich — ich danke Ihnen.“
„Aber, Herr Baron, ich weiß nicht...“
„Sie brauchen auch gar nichts zu wissen, — setzen Sie sich lieber hin, und spielen Sie mir ‚Ein’ feste Burg ist unser Gott‘, den Choral der Choräle. Ich muß doch etwas von meiner Stiftung haben.“
Und Klaus Hansohm hatte die Register der neuen Orgel gezogen, und alle Heimchen am Herde des neuen Lyzeums waren aufgewacht und lauschten, und die heilige Cäcilie im Buntfenster lächelte.
Und auf den Schwingen des mächtigen Liedes fanden sich ein wunderlicher Alter aus dem Uradel des Landes und ein junger Stürmer aus dem Volke zu einer seltsamen, guten Freundschaft zusammen. —
Das war vor Wochen gewesen.
Heute war der neue Singsaal, die heilige Cäcilie und der Bechsteinflügel schon eine alte Sache, und man sah sich nicht mehr danach um.
Die Kränze und Girlanden waren verwelkt und abgenommen, und die weißen Festkleider mit den schwarz-weiß-roten und blau-weiß-roten Schärpen hingen längst wieder in den Schränken. Aber etwas seltsam Feierliches und Festliches war dem Singsaal doch verblieben.