Darüber hatte noch niemand gesprochen, aber die jungen Seelchen spürten es, und es steckte sicherlich in den Pfeifen der Orgel und den Saiten des Flügels und in dem Lächeln der heiligen Cäcilie.
„Nun wollen wir recht schön die Tonleitern singen,“ sagte Lehrer Hansohm zur zweiten Klasse, „und wenn die so recht perlend fließen, dann...“
„Schubertlieder! Schubertlieder!“ zwitscherte es flüsternd durch die Reihen, und Sörine Heidekamp machte sich zum Mund der ganzen Klasse, hob den Finger und sagte laut und selbstverständlich: „Dann singen Sie uns wieder Schubert.“
Hansohm wehrte entsetzt ab. „Aber, meine Damen, wo denken Sie hin,“ rief er pathetisch.
Dann wurde er mit einem Male ganz ernst: „Wir wollen den schönen Tag der Schubertlieder in lieber Erinnerung behalten, aber ihr müßt nicht wieder quälen.“
Die Kinder sahen sich ängstlich und verstohlen an und schauten arg verstört auf den Lehrer, der ihnen heute unverständlich schien.
Sörine Heidekamp, die am wenigsten vermochte, mit unverstandenen Geschehnissen heimzugehen, stand wieder auf und fragte eindringlich: „War es etwas Unrechtes?“
„Nein, Sörine, dann hätte ich es ja nicht getan.“
„Großvaterli sagt, Sie hätten uns etwas außerordentlich Wertvolles gegeben, und wir dürften es nie vergessen.“
Dem jungen Lehrer stieg etwas in der Kehle hoch und er brauchte ein paar Augenblicke, um die Stimme zu meistern. Dann aber rief er fröhlich: „Ja, mein liebes Kind, wenn wir lauter Großvaterlis auf der Welt hätten.“ Da wär’ es leicht, Singlehrer am Lyzeum zu Birkholz zu sein. Den letzten Satz dachte er aber nur. Und nun sangen sie eine halbe Stunde Tonleitern und übten dann an einem kunstvollen Singspiel, die Maienkönigin genannt. Sörine Heidekamp sollte Maienkönigin sein, und es war niemand unter den vielen Mädels, das ihr die große schöne Rolle neidete.