Eine Art homo sapiens Linné, mir verhaßt, seit ich denken kann. Er gehört zu jenen, denen der Mensch nur Vorgesetzter oder Kollege ist.
Es mag ja nicht genehm für die alten Knaben sein, plötzlich einen jungen Mann als Vorgesetzten zu bekommen, — nun ich bin wahrhaftig ohne Vorurteil an dies Kollegium herangegangen, und das Verhalten vom Senior zeigt mir auch, daß ich den rechten Ton traf.
Und doch dieser passive Widerstand von Traute und doch die mühsam beherrschte Gereiztheit von Kahl.
Mein Vorgänger war wohl schon etwas überreif, viel krank und ruhebedürftig. Er hat die Zügel locker in seinen alten Händen gehalten und ist einfach froh gewesen, wenn andere die Karre kutschiert haben.
Nun gehöre ich ja nicht zu den Direktoren, die, kaum im neuen Amt, alles bisher Bestehende verwerfen. Schuldiener Harks hatte allerdings damit gerechnet, denn gestern morgen fragte er: „Der Spucknapf des vorigen Herrn Direktors ‚haben‘ immer links von dem Schrank gestanden, soll ich ihn jetzt rechts stellen?“
„Aber, Herr Harks! Traditionen soll man heilig halten, ich bin ein pietätvoller Mensch.“
„Dann müssen also Herr Direktor scharf in die linke Ecke zielen,“ meinte er ernst, entfernte sich und ließ mich mit dieser Instruktion zurück. —
Ich verweile noch bei Harks. Der Mann ist mir lieb, ich mag ihn gern um mich haben. In seinen seltsamen Augen steht Gram zu lesen, aber er weicht scheu aus, und ich will mich nicht in sein Vertrauen drängen. Auch das Gesicht seiner kleinen verhutzelten Frau zeigt einen ängstlichen Ausdruck. Und doch soll mein Vorgänger ein humaner Mann gewesen sein, dem man vielfach sogar Schwäche gegen seine Untergebenen vorwarf.
Mancherlei Beobachtungen habe ich schon gemacht. Harks Augen können grimmig, ja tückisch aufblitzen, wenn Professor Kahl nach dem „Schuldiener“ ruft.
Ich ehre in Harks den alten Feldwebel und seinen Zivilversorgungsschein. Nenne ihn deshalb „Herr Harks“ und seine schüchterne Frau „Frau Kastellanin“.