„So, Sie sind ja sehr unterrichtet, — in Dienstbotensachen.“

„Ach, Kollege, — Sie reizen mich gar nicht.“ Klaus Hansohm konnte unausstehlich liebenswürdig werden. „Sehen Sie, ich gestehe ein, daß ich den Mann beneide. Er spricht drei fremde Sprachen, ich nicht. Er wird in seiner Eigenschaft als Diener des Herrn von Heidekamp hoch estimiert in Birkholz, ich in meiner Eigenschaft als Volksschulmeister gar nicht, er hat 4000 Mark Gehalt, ich auch nicht schattenhaft, und außerdem hat er noch ’ne Livree mit Silberknöpfen...“

Sörensen hatte ruhig abwartend zugehört. Er liebte es, wenn sich das Kollegium „klärte“.

„Womit Sie Herr Professor Rasmussen und Fräulein Doktor beleidigten, höre ich wohl morgen in Gegenwart der Beteiligten?“ fragte er Asmus.

Dieser verneigte sich bejahend.

Hansohm trat in seiner raschen Art auf den Direktor zu. „Darf ich wenigstens heute noch meine Überzeugung aussprechen, daß Fräulein Doktor nicht hat beleidigen wollen. Sie nahm das verstörte junge Mädchen einfach an ihr Herz. Ohne ein Wort zu sagen. Kollege Asmus faßt es eben schon als Beleidigung auf, daß wir Sörine Heidekamp beruhigten. Ich geleitete sie zum Wagen, der auf dem Markte hielt. Der Diener eilte uns nach, und so rief ich ihr möglichst unbefangen zu: „Eine Empfehlung an den Herrn Großvater.“ Die einzigen Worte, welche überhaupt auf dem Wege fielen. Professor Rasmussen aber hatte nur einen väterlichen Rat an Herrn Asmus erteilt. —“

„Ich danke Ihnen, meine Herren.“

In Asmus’ Gesicht arbeitete der Zorn mächtig. Aber er wußte, daß er mit seinen Anklagen warten mußte, bis er den beiden andern gegenüberstand.

Sie gingen hinaus. Sörensen blieb in seinem Zimmer.

„Väterlicher Rat?“ nahm Asmus draußen streitsüchtig das Thema wieder auf. „Ich brauche keinen väterlichen Rat vom Senior. Es war lediglich eine Beleidigung. ‚Gehen Sie ins Bett, Kollege,‘ hat er mir zugerufen. Dieser... Gehen Sie ins Bett! In Gegenwart von Fräulein Doktor.“