„Herr Asmus ist Lehrer am Lyzeum, — folglich...“ Sörensen brach kurz ab. „Ihr in der zweiten Klasse habt darüber wohl besondere Ansichten?“

„Ja.“

Was ist das nun? fragte sich Sörensen. Ist das die Heidekampsche Unverschämtheit, von der die Kollegen reden? Oder?

„Ich habe auch gar nicht über etwas nachgedacht, was Herr Asmus mir getan haben könnte.“

Der Direktor stutzte. Wie Freude stieg es in ihm hoch. Er hätte es selbst nicht so nennen können, denn er wußte seit langem nicht mehr, wie sich Freude kundtat. Leise sagte er zu sich: „Neuland!“ Laut aber: „Und worüber hast du nachgedacht? Was soll die krause Stirn und das bitterböse Gesicht?“

Sörinens Augen funkelten ihn an. „Er hat sie so geschlagen, meine Agnes,“ stieß sie heraus.

Und nun wußte Erne Sörensen plötzlich wieder nach vielen Jahren, daß er sich noch freuen konnte. Also so etwas gab es noch auf dieser Welt? So ein echtes Freundschaftsseelchen. Solch einen selbstlosen, kleinen Kameraden, — „einen bessern findst du nit“...

Er sprang auf und ging mit großen Schritten durch das Zimmer. Dann blieb er vor Sörine stehen. „Ich verstehe das so gut, Sörine. Wenn ein Freund leidet, dann tut es ja viel weher, als wenn wir selbst gezüchtigt werden, so denkst du auch, nicht wahr?“

Da war die Falte aus dem Kindergesicht verschwunden und Sörinens Augen sahen ihn voll Vertrauen an.