Dann tappte er sich der Frau nach, die ihm voran ins Zimmer schritt.
Nein, hier konnte keine Freude wohnen. In diesem nach Norden gelegenen, schlecht gelüfteten Raum, in den niemals die Sonne schien, an dessen Fenstern auch die abgehärtetste Pflanze sich weigerte, ein grünes Blättchen zu treiben. —
Dafür standen verstaubte, unechte Palmen grün angestrichen in häßlichen Papierkübeln, und auf einem plumpen Vertikow prunkte eine Anhäufung von häßlichen Nippes. Sofa, Teppich und zwei Sessel waren von ausgesuchtem Ungeschmack. Häßliche Gerüche von kaltem Tabak und feuchten Tapeten stritten um die Oberhand. Über die aus gelbem, dickem Häkelgarn gefertigte Decke auf dem Tisch waren Zeitungen gebreitet, und hier saß die blasse Agnes Asmus und arbeitete.
„Nebenan wird geölt, deshalb mußte ich dem Kind schon die beste Stube anweisen,“ beeilte sich Frau Asmus zu sagen. „Agnes, pack’ die Sachen zusammen. Achtung, daß du die Tinte nicht umwirfst. Hole deine Häkelei. Herr Direktor Sörensen gibt uns die Ehre.“
Erne Sörensen war mit zwei Schritten neben der Leidenden. Denn krank und elend sah das Mädchen aus, das aus tief umränderten, gramvollen Augen ihn anschaute.
Und mit soviel Güte und Erbarmen wurde ihr Blick erwidert, daß sie in haltloses Schluchzen ausbrach.
„Großer Gott, Agnes, was fällt dir denn ein,“ rief Frau Asmus. — „Ja weißt du denn gar nicht, was sich schickt? Gleich nimmst du dich zusammen!“
In diesem Augenblick schellte es an der Flurtür, und die Frau lief hinaus, man hörte sie wortreich mit einer anderen Frauenstimme verhandeln.
Direktor Sörensen zog Agnes die schmalen, bebenden Hände vom Gesicht.