„Ich habe eine Freude für dich, Agnes, ja, eine richtige Freude. Du mußt es mir schon glauben. Sieh einmal!“ und er legte Sörinens Riesenschriftstück vor sie auf den Tisch.
Ein halberstickter Jubelruf, ein scheuer Blick nach der Tür und dann erneutes Weinen, heftiger als zuvor.
„Willst du nicht lesen, was Sörine schreibt?“ fragte Sörensen.
„Nein, ach nein, jetzt nicht,“ stieß Agnes hervor. „Aber heute nacht will ich es tun.“
„In der Nacht sollst du schlafen, Agnes.“
Sie schüttelte trostlos den Kopf. „Ich kann gar nicht mehr schlafen.“
„Ei, das wäre ja noch besser. Ein Fünfzehnjähriges, das muß es mit jedem Dachs aufnehmen. Versuch’s einmal.“
Sie trocknete ihre Tränen und lächelte. Aber das Lächeln hatte nichts Kindliches und nichts Beruhigtes, es war das Lächeln eines armen, abgehetzten Seelchens und wollte in seiner Müdigkeit nur sagen: Laß nur, das ist nun mal nicht anders.
Frau Asmus schien draußen mit der andern Person in Streit geraten zu sein, die hohen, scharfen Organe kreuzten sich wie Klingen.
„Es ist mir auch nicht so ums Schlafen,“ sagte Agnes etwas lebhafter, und Sörensen fühlte, daß ein gutes Vertrauen zu ihm in ihr aufwachte. „Es ist nur so schrecklich, daß ich in der Schule zurückkomme. Ich war sonst immer die Erste. Von der achten Klasse an. Aber nun schaff’ ich’s nicht mehr.“ Sie sah ihn müde an. „Es hilft auch nichts, wenn ich mich zusammennehme, ich kann die Gedanken nicht finden in der Schule, wenn z. B. Fräulein Nissen so rasch fragt. Früher konnt ich da gut folgen, — vielleicht bin ich jetzt krank...“