Und wer etwa am Abend so vermessen gewesen wäre, noch ein Stück Torte oder Schlagsahne zu verlangen, den hätten Herr und Frau Bruhns samt den beiden Ladenfräulein von oben bis unten angeschaut, da ja nur ein Fremder ein so törichtes Verlangen stellen konnte. Und man hätte nicht gesagt, daß man nichts mehr im Laden habe, sondern ihm nur die inhaltsschweren Worte zugeschmettert: „5. April!“
Man konnte am Nachmittage des 5. April nicht den Vergleich mit einem Bienenschwarm heranziehen, nein, es waren Hunderte von Bienenschwärmen, die da summten und surrten, Hunderte von Webstühlen, die da ratterten, sausten und zausterten. Kuchenberge waren aufgetürmt und verschwanden in bewundernswerter Raschheit, und die schneeigen Schlagsahnenhügel wurden bis auf ein kümmerliches, flüssiges Restchen von den rastlos grabenden Silberlöffeln abgetragen.
Wie ebenso viele Vollmonde leuchteten die heißen, roten Gesichter über den dampfenden Tassen.
Nur nicht so freundlich.
Denn es gab natürlich neben gleichmäßigen Ansichten über das Wetter und den Stand der Aktien und der Frühkartoffeln auch viel „Widersprüche“, „Unglaublichkeiten“ und „Verstiegenheiten“, über die man sich gleich an Ort und Stelle kräftig auseinandersetzte.
Die Stricknadeln flogen, die Löffel klirrten, und manche Nadel wurde mit verbissener Wut in festes Leinen gestoßen, als sei es das Herz der lieben Nachbarin, die eben den gleichen Stich versetzt hatte. —
Aber es waren alles noch Vorstöße und mehr oder minder heftige Plänkeleien. Man wartete noch auf das Kommando, das die eigentliche Redeschlacht entfesseln sollte.
Und endlich fiel es. In der Nähe des Sofas, auf dem die Frau Bürgermeister und die Frau Postdirektor Platz genommen hatten. Die erstere wie versteint in Würde und Verdrossenheit, die andere mit einer heiteren Gelassenheit, die sich in Unvermeidliches schickt.
Wer hatte das Wort gerufen? Genug, es war da und man stürzte sich darauf und zerriß es und warf sich die ergiebigen Stücke einander zu.