Deine treue Sörine Heidekamp.
Agnes Asmus küßte den Namen viele Male und holte sich einen Bleistift und setzte gewissenhaft die vielen vergessenen Schriftzeichen an die rechte Stelle.
Dann legte sie das Kleinod unter das grobe, weiße Linnen und bettete den Brief auf ihr warmes, junges Herz.
Ein glückliches Lächeln lag mit einemmal auf ihrem müden Gesicht und mit diesem Lächeln schlief sie ein. —
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Frau Apotheker Dahlen hatte Geburtstag.
Und wenn sie auch annehmen mußte, daß sie diese Tatsache mit fünfundzwanzigtausend Bewohnern von Birkholz teilte, so hielt sie aus irgendeinem Grunde, den sie nicht verriet, doch ihren Geburtstag für eine so bemerkenswerte Tatsache, daß sie „seit Jahrenden“ (wie sie selbst betonte) an diesem Tage einen Riesenkaffee abhielt. Eine wahre Völkerschlacht, bei der denn auch viele Mitbürger erledigt wurden, und abends mancher gute Name zur Unkenntlichkeit verstückhackt auf dem Felde der Unehre liegen blieb.
Von frühem Morgen an war alles im Apothekerhaus am Markt in Aufregung und fliegender Hitze, und man tat gut, an diesem Tage nicht gerade verantwortungsvolle Rezepte anfertigen zu lassen.
Doch kam die Neugier durchaus auf ihre Kosten, denn der Provisor erzählte beim Einwickeln sehr ausführlich, wer eingeladen war, wer abgesagt hätte und was es „gab“.
Konditor Bruhns rechnete mit diesem Tage, der seine Schatten schon lange vorher warf und ebenso seine Nachwehen hatte.