„Na, dann gehe mal zu Fräulein Doktor, die hat zufällig jetzt noch im Lehrerzimmer zu tun, wird aber gleich fertig sein. Und wenn du ihr erzählt hast, dann bitte sie auf kurze Zeit hierher. Ich warte. Deinen Eltern lasse ich durch Herrn Harks sagen, daß du etwas später kommst.“
„Danke. — Draußen hängen nun noch die Sachen von Sörine...“
„Die nimmst du mit dir nach Hause. Da hast du gleich etwas von der Freundin, und wenn die Sachen abgeholt werden, kannst du einen Trostbrief an die Manteltasche stecken.“
„O vielen, vielen Dank!“ Ein froher Blick aus blassem Gesicht.
Der Direktor war allein. „Oha!“ Er reckte sich.
Es vergingen kaum zehn Minuten.
Fräulein Dr. Stavenhagen kam erregt zu ihm.
Sie sah ihm ehrlich in die guten, ernsten Augen. „Eine dumme Geschichte, Herr Direktor. Ist eigentlich kein Thema für Sie und mich. Will’s kurz machen. Die Kollegin Nissen ist vom Aufklärungsteufel besessen. Sie, — wie sag’ ich — sie ist ein Neutrum, sie hat nichts Mütterliches, sie sieht die Dinge ohne jede Verklärung. Meint, — daß ein Mädel von der zweiten Klasse an mit allem Bescheid weiß. Und nun kommt ihr so was Feines, Zartes, so ein Seelchen unter die Finger — wie die Sörine — Herrgott im Himmel, — zerstört hat sie — zerstört, — wo man aufbauen soll...... Guten Morgen, Herr Direktor......“
Fort war die groteske Gestalt mit dem häßlichen Gesicht und dem warmen Herzen.