Und Direktor Sörensen ging mit geballten Händen im Zimmer auf und ab, und sein wackres Herz war voll Zorn.
**
*
Im Lehrerzimmer wurde hart gekämpft. Das scharfe Organ von Fräulein Nissen kletterte die ganze Tonleiter in die Höhe und wieder herunter. Oberlehrer Kahl sekundierte ihr heftig. Professor Traute warf salbungsvolle Worte ein und zitierte die Bibel, denn er war eigentlich Theologe, und predigte noch jetzt Jahr für Jahr in der Thomaskirche, wenn Diakonus Heinrich seinen Heuschnupfen hatte. Professor Rasmussen strich sich seinen Bart, wie immer, wenn er verlegen war. Er konnte manche Themata einfach nicht leiden, und ganz besonders waren ihm die verhaßt, die irgendwie der Frau zu nahe traten. Da konnte er sich ganz in sich selbst zurückziehen, um schließlich, wenn man ihn aus seiner Reserve zwang, messerscharf zu werden. Die kleine Hilfslehrerin, selig, auch einmal ein selbständiges Urteil abgeben zu dürfen, rief unentwegt zwischen die Streitenden: „O, ich bin sehr dafür! O, ich bin sehr dafür!“ Sie war insgeheim verliebt in Klaus Hansohm, und hätte für ihr Leben gern gewußt, wie er zu der zarten Sache stand, aber sie konnte sein finsteres Gesicht nicht durchdringen, und ihr Instinkt war nicht fein genug, zu fühlen, daß der junge Lehrer sich innerlich schüttelte vor Unbehagen. Hätte sie außerdem geahnt, daß er nach jedem ihrer Zurufe bei sich selbst feststellte, daß sie die größte Gans sei, die ihm je vorgekommen, sie würde ihn nicht so strahlend angesehen haben.
Fräulein Dr. Stavenhagen hatte sich heiser gesprochen und müde gekämpft. Sie ließ jetzt die Flut gegenteiliger Behauptungen über sich ergehen.
„Ja, nicht wahr, unsere Logik ist auch nicht von Pappe,“ rief Kahl gereizt, „nun äußern Sie sich, bitte.“
Fräulein Doktor sah ihn ernst an und zuckte dann die Achseln. „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen,“ sagte sie ruhig.
„Na ja, mit solchen Zitaten kann man den Stab über eine ganze ehrenhafte Versammlung brechen,“ meinte Traute. „Da kommen wir aber nicht weiter. Hier muß doch grundsätzliche Stellung genommen werden. Und vor allen Dingen dürfen wir unsere verehrte Kollega Nissen nicht preisgeben.“
„Doch, das tue ich,“ sagte Fräulein Doktor ernst und fest. „Ich finde das Vorgehen der Kollegin Nissen einfach unerhört.“
Die Angegriffene lachte schrill auf und zerpflückte ihr hübsches, spitzenbesetztes Taschentuch in seine Bestandteile. —