Am nächsten Tage.

Ja, wenn erst einmal die Maria da ist!

Sie kommt vielleicht heute noch, aber sie kommt zu spät. Man holte mich noch gestern am Abend zur sterbenden Sina. Sie hatte allein nach mir verlangt, und so wehrte ich der bekümmerten Eva, die meinte, es sei für mich kaum Genesene ein zu großes Wagnis, zur Nacht noch einmal ins Dorf zu wandern.

»Eva, wenn du mich hinderst, im grauen Alltag meine Pflicht zu tun, dann gehe ich in mein Thüringen zurück und suche mir dort ein Feld …«

Da sah sie mich erschrocken an und ließ mich gewähren. Zwei Stunden weilte ich bei der Korb-Sina.

Es war ein ruhiges Sterben nach der Unrast ihres Lebens.

Fünf Worte wiederholte sie unablässig. Sie waren wohl das einzige Gebet, das in ihrem Herzen gelebt. Zwei Stunden lang fünf Worte! So prägten sie sich mir ein. Martha! Maria! Clemens-Hartmut Lage!

Am übernächsten Abend.

Eben ging Konrad Oswald von mir. Er war auf meine Drahtung hin gleich von Berlin abgereist, aber allein. Da die Greisin heimgegangen, sollten seiner Maria zwecklose Anstrengungen und Aufregungen erspart werden. Nun bereitet er alles für die Beerdigung vor, und jeder rüstige Dörfler hat sich ihm zur Verfügung gestellt. Daß er nur wieder da ist! So meint jeder in Lage, und die Gesichter sind alle aufgehellt.

Über mich aber war Konrad Oswald sehr bekümmert.