Und ich lachte, und wurde ordentlich ein wenig rot. Denn es ist so wunderlich, wie mir alles zum Glücke ausschlägt. Nun brauche ich nicht einmal traurig zu sein in dem Gedanken, daß Oswald und ich einen treuen Hirten von seiner Herde fortjagen, um uns und unsere Wünsche an seine Stelle zu setzen. Denn es ist des Hirten eigener Wunsch und Wille. Und die Hirtin schmiegte sich an ihren Gatten und meinte: »Dies Lage ist so erdrückend!« Und schämte sich dann doch etwas ihres Ausspruches. »Können Sie mir sagen, was Sie mit ›erdrückend‹ meinen?« fragte ich forschend. »Ja, das kann ich«, war die rasche Antwort. »Die Lager verlangen zuviel von einem Sterblichen, und besonders von ihrem Pastor; ich glaube nicht, daß wir das schaffen können. Die Menschen sind hier alle so besitzergreifend. Man ist gar nicht mehr ›manselbst‹.« Also die Pastorin. »Nein, manselbst darf man freilich nicht sein«, meinte ich zustimmend und zugleich nachsinnend, denn mich dünkte, es war arg lange her, daß ich einmal die Gitti Lage vorgestellt hatte. Und wer bin ich jetzt? Ich gehöre dem grauen Alltag … Wie ist mein Name?


In vier Wochen kann vielleicht schon die Vorstellung von Konrad Oswald stattfinden, – – ich freue mich wie ein Kind auf unser Wiedersehen. –

Ein paar Stunden später.

Eben komme ich von der Korb-Sina. Sie ist sehr verändert. Wie erloschen die Lichter der scharfen, stechenden Augen. –

Wir waren uns lange forschend gegenüber. Sie lag in ihrem Bett, und ich stand über sie gebeugt und sah in ihr fahles, eingefallenes Gesicht. Und sie blickte mich an, als sähe sie mich zum erstenmal: »Sie kommen zu mir? gnädige Baronin!« kam es endlich langsam von ihren welken Lippen.

Und da erzählte ich von Konrad und Maria Oswald, von allen Möglichkeiten, die sich ihnen und uns böten, und nicht zuletzt von dem heiligen Glück, das der jungen Frau bevorstünde. Da weinte die Greisin, und es sah erschütternd aus, weil die Tränen ihr nicht mehr leicht flossen. –

»Jesus! Daß ich’s erlebe!« rief sie leise, und faltete ihre Hände. Und dann versuchte sie, sich aufzurichten, und fiel doch immer wieder kraftlos zurück, so daß ich sie in meinen Armen stützen mußte. Und plötzlich packte sie meine Hände beschwörend: »Nicht der Maria sagen, daß die Martha verdorben ist,« flehte sie, »nicht der Maria sagen!«

»Die Martha ist gestorben, aber doch nicht verdorben!« Ich streichelte ihre welken Hände. Da horchte die Greisin auf. Und ich sprach eindringlich weiter, weil mich mein Herz dazu trieb. »Wenn die Martha ihr alles hingab, so tat sie es doch aus großer Liebe, – und Liebe adelt doch das, was sie tut … Und sagt nicht irgendein Großer: ›Die Mutterschaft tilgt jede Schuld am Weib?‹ Warum willst du dein Herz zermartern, Sina, und hassen, du, die Großmutter … Wir wollen nicht richten, Sina …«

»Jesus, was habe ich getan!« weinte die wilde Alte und rang die Hände; »Ihnen wollt’ ich Leid zufügen, und Sie bringen mir Trost. Ach, wie das brennt! Aber nun kann ich wohl noch wieder gesund werden! Und wenn dann erst einmal die Maria da ist …«