»Der Clemens kann gleich mit Ihnen gehen, Fräulein von Lage, aber der Hartmut muß warten, bis Fräulein Herwardson zurückkommt.«
»Was fange ich mit einem halben Jungen an?« scherzte ich weiter, »und was soll ich von ihm mitnehmen, den Kopf oder die Füße?« –
»Alles!« rief er plötzlich ungestüm und schmiegte sich an mich. »Wir wollen gleich jetzt fortgehen und nie wiederkommen, ja? Weiß es die Großmutter? Oder ist alles nur ein Spaß?«
»Das wäre ein schlechter Spaß, wenn du doch solche Sehnsucht nach Lage hast … Aber die Großmutter Sina weiß nichts, – sie war sehr krank, mein lieber Junge, und liegt immer noch fest im Bett.«
»Krank war sie? Dann erschrickt sie am Ende, wenn ich sie so überfalle. Aber vielleicht kann ich dann erst ein paar Wochen bei Ihnen wohnen, Fräulein von Lage …«
»Wäre dir das lieb, mein Junge? Du kennst mich noch so wenig.«
»Oh, ich kenne Sie gut«, meinte er ernsthaft. »Ich habe Sie schon oft geträumt, da sahen Sie genau so aus, wie Sie da sitzen. Sie hatten ein weiches, weißes, seidenes Kleid an, ganz licht waren Sie …«
»Du närrischer Schwärmer,« lachte ich, »du liest gewiß viel Märchen.« Und setzte leise an seinem Ohr fragend hinzu: »Kennst du das Märchen von Gitti und dem Zornebock?«
Er schüttelte die dunklen Locken. »Ist es schön?« fragte er.
»Ja, sehr schön, aber sehr traurig.«