Da streichelte er mich. Und wie ich die warme, schmale Kinderhand auf meinem Gesicht fühlte, da zog ich das Kind an mich und küßte es, und dann sagte ich ihm, daß seine Großmutter heimgegangen sei.
»Heimgegangen?« wiederholte er ernst, und mit den tränenlosen Augen sah er trostlos wie in Fernen hinein. »Wohin ist sie gegangen?«
»Zu Gott, Clemens-Hartmut.«
Er schüttelte langsam den Kopf. »Fräulein Herwardson sagt, das wäre auch ein Märchen …«
Da sprang ich rasch auf, und ein fester Entschluß nahm Besitz von mir. »Du lieber Junge,« rief ich, »du wirst jetzt dein Köfferchen packen, und ich rufe meinen braven, zuverlässigen Diener da draußen. Der wird hier in K. bleiben und unermüdlich aufpassen, wann deine Pflegerin wiederkommt. Er soll ihr sagen, daß ich dich mit mir nahm, – – und daß du nicht wieder zurückkehrst – – –.«
»Wohin? Großmutter Sina ist tot«, sagte er tonlos.
»Mein Junge! Mein Junge!«
Das stammelte und lachte und weinte ich so ein Weilchen vor mich hin. Bis es in dem kleinen, verstörten Jungskopf zu dämmern anfing und er forschend, ungebärdig fragte: »Ihr Junge? Ich soll Ihr Junge in Lage sein?«
»Ja! ja! ja! Mein Lager Junge!«
»Und wie soll ich dich nennen, Fräulein von Lage?«