Hoffnung verwirrt.

Gewißheit stählt.

Mein Kind läßt mich kaum noch allein. Es ist, als wolle Clemens-Hartmut alles von mir empfangen, die neue Welt, die ihm jetzt aufgeht, mit meinen Augen sehen. Und er soll doch ganz auf sich gestellt sein. Die Feinheit seines Empfindens überrascht mich immer aufs neue, und ich sage mir, daß ihm vieles davon das Mädchen aus dem Volke gegeben haben muß. –

Seit ich weiß, wie Ritter Lage denkt und handelt, und wie unverworren seine Vergangenheit sich abgespielt hat, ist eine große Klarheit über mich gekommen.

Und der Wunsch, gut und groß zu handeln, weitsichtig, ohne einen Hauch von Eifersucht auf das, was war. Ich möchte wissen, wie Martha Dörpings Wesenheit war, denn ich möchte das Gute in ihr in ihrem Sohne pflegen. – Wie gewaltig und ausschließlich muß Ritter Lage mich lieben, wenn er mich die Mutter seines Sohnes nennt. Er tut alles mit bewußter Absicht. Das Wehtun und das Wohltun. Bei mir ist noch zuviel Unbewußtes und Gefühl. Ich darf auch nicht sagen, ich bin, wie ich bin, nehmt mich so und verbraucht mich so. Dazu habe ich noch zuwenig geleistet. Aber ich kann bitten: Vergebt mir, wenn ich irre, denn ich strebe noch. –

Meine ganze Arbeit in Lage hat für mich ein anderes Gesicht bekommen. Ich tue das Gute um des Guten willen ohne Dank, – und ich lebe damit zugleich meinem Jungen vor. Beispiel ist besser als Mahnung.

Und eine köstliche Wechselwirkung hebt an.

Clemens-Hartmut als Erzieher.

Seine fragenden Kinderaugen haben die Macht, alles Gute aus mir herauszuholen. Und wenn er mit seiner warmen Stimme ruft: »Du bist doch das Schönste und Beste auf der ganzen Welt«, dann sehe ich ihm still in die lieben Augen und denke: »Du! Du formst mich dazu.«

Pastor Konrad Oswald sieht mit verständnisleuchtenden Augen auf uns beide. Als ich ihn bat, mir pädagogischen Rat zu geben, sagte er, daß es geborene und erlernte Erzieher gäbe, er sei ein erlernter und ordne sich mir unter. Das ist gewiß Scherz, aber es scherzt sich wohltuend mit Pastor Oswald. –