Zwischen uns ist alles klar und rein.

Er umhegt Maria mit der »Höflichkeit des Herzens, die der Liebe verwandt ist«. Die Aussicht auf das Kind, die nun ganz nahegerückt ist, hat ihn zur Selbstbesinnung gebracht, hat ihn auch um viele Jahre gereift. Er verträgt es sogar, wenn ich ihn hie und da »Konradbruder« nenne, und ich meine, es kann eine Zeit kommen, da er mich ganz unbefangen-fröhlich Schwester Brigitte rufen wird. Wenn das Kind da ist. Winzige, neugeborene Kinderhändchen dünken uns schwach und haben doch höchste Liebeskraft im Festhalten und Zurückführen zu dem, was uns frommt. – Ich hatte den Pfarrer Oswald auch gebeten, mir ein paar Freunde für Clemens-Hartmut auszusuchen. Aber es scheint, als lasse ein Lage sich keine Genossen bestimmen. Zuerst hat er Konrad Oswald stürmisch entgegnet: »Die Gittimuhm ist mein einziger Freund und soll es bleiben.« Aber dann hat er doch ganz still und bewußt Umschau gehalten, mehr aus Gehorsam, als aus Bedürfnis. Und hat sich von Pfarrer Trewes den Hein Broders zuführen lassen und von Pastor Oswald den Richard Borgers und hat aus eigenem Ermessen den verkrüppelten, gescheiten Pieter Dinkel dazugetan. – Mit Hein lernt er, mit Richard treibt er Sport, und mit Pieter lacht er. Deshalb steht der Pieter bei mir ganz obenan, denn das Lachen braucht mein Junge am meisten.

Ich wollte meinen Buben oft gern daheimlassen, wenn ich in meine Heime wandere zu den Kranken, den Siechen und Krüppelkindern, denn ich fürchtete, er würde mir zu ernst und still beim Entdecken und Schauen des vielen Elends; aber seit mir die kranken Kinder bekannt haben: »Es ist jetzt so schrecklich lustig auf der Welt, seit der Clemens-Hartmut da ist«, lasse ich meinen Jungen nach Herzenslust diese »schrecklich lustige Welt« verkörpern. Und wirklich, das Lachen aus dem Saal der kleinen Krüppel schallt bis zum Krankenhaus herüber. Gestern ließ ich die beiden Freunde Clemens-Hartmut und Pieter Dinkel, die all diese Lachlust entfesselten, zu den Großen rufen. Da machten sie denn ihre Kunststücke, wobei mein Junge der Leiter war und Pieter zu den erstaunlichsten Leistungen verführte, bis dann Clemens-Hartmut noch als Märchenerzähler auftrat.

Am Abend meinte eine der bresthaftesten alten Frauen: »Auf die Art möcht’ ich noch 20 Jahre im Krankenbett liegen.«

Selig sind die Genügsamen. –

Als mein Junge und ich am selben Abend durch den herbstlichen Wald heimwärts schritten, während Pieter Dinkel in unglaublichen Sprüngen mit seinen Krücken den Weg zweimal machte wie ein junger Hund, meinte Clemens-Hartmut sinnend: »Ich werde Arzt. Man müßte sie alle gesundmachen können.«

»Wir wollen ihnen täglich Lachen und Liebe bringen,« sagte ich und faßte meinen Jungen fester. »das ist fast so gut wie Gesundheit.« –

»Mensch!« rief Pieter Dinkel dem Clemens-Hartmut zu, »wenn sie gesund würden, kriegten sie ja unsere schönen Kunststücke nicht mehr zu sehen.«

Unsere Verblüffung ließ Pieter das letzte Wort. –

An einem Sonntag im November.