»Immer, allezeit! Du hast mich aufgeweckt! Es ist so trostlos, sein Leben zu verschlafen. – Wie sollt’ ich dir nicht danken? Ich bin nun auch gar nicht scheu mehr, bin recht aufdringlich. Gelt? Findest du nicht?«
»Erschrecklich.« Und er lachte wieder. »Sieh, – wie wir beide schulmeistern. Ich lehre dich küssen, und du lehrst mich lachen. Wieder lachen, meine Gitti. Ah, das ist ungewohnt und tut wohl und weh.« – Er lehnte sich matt zurück. –
»Nun muß ich gewiß gehen, Liebster«, rief ich erschrocken und richtete mich auf.
»Ein Weilchen noch,« – bat er, »eine kurze, wichtige Frage lang. Sag’ mir, meine Gitti, was dein höchster Wunsch ist. Du bist noch so jung. Ich weiß, du liebst Lage und alles, was damit zusammenhängt, – dein Dorf, deine Leute, die Kapelle, den Märchenwald. Was davon mein ist, möchte ich dir schenken, möchte dich restlos glücklich sehen, Gitti … wunschlos … Sprich – Liebste …«
Da nahm ich mein Herz in beide Hände.
Und alle Scheu wich von mir, nur ganz Bitte war ich.
»Laß mich immer bei dir bleiben,« bat ich, – »schick’ mich nicht fort! Ich mißgönne jedem, selbst deinem alten, treuen Diener, die Handreichungen bei dir. – Ich darf dich krank und am Boden liegen sehen, denn ich bin ja dein Kamerad, einen bessern findst du nit! Ritter Lage! Laß mich bei dir bleiben!«
»Du! Du einzige!« Wie ein Aufschluchzen klang es. Er zog meine Hand an seine Lippen. Dann rief ich seinen Diener, und ihm folgte Baron Leo auf dem Fuße. Der Diener gab dem Kranken Wein und ordnete die Kissen, dann ging er in den Vorraum zu Clemens-Hartmut zurück. Währenddem sprachen Leo ter Mählen und ich leise miteinander. Bis uns Ritter Lages Stimme ganz lebhaft rief: »Sie hat entschieden, Freund Leo. Was ich nicht fassen konnte und wollte, – sie bringt das ungeheure Opfer freiwillig … Leo, sie bittet mich darum, – Leo, sieh dir dies tapfere Kind an, – mit Lachen kommt Gitti zum Zornebock … Küsse ihr die Hand, Leo, und neige dich tief vor der jetzigen und künftigen Herrin von Lage …«
Noch eine Stunde durfte ich bei ihm bleiben. Ritter Lage fühlte sich wohler denn je. Nur etwas rasch und fieberhaft sprach er. – Er wollte mich in alles einführen, in seine Pläne über die holländischen Besitzungen, in das Wohl und Wehe seiner Arbeiter.
Wie war sein Denken scharf, logisch, großzügig und weitsehend! Oft mußte ich ihn bitten, langsamer vorzugehen, weil ich ihm nicht zu folgen vermochte.