Vater und Sohn sahen sich schweigend in die Augen.

Dann winkte Clemens, daß sich der Knabe wieder entfernen solle. Er gehorchte schweigend, und die Tür schloß sich hinter ihm. –

Ich zog mir einen niedrigen Hocker zu dem Ruhebett hin und saß nun ganz nahe bei dem Geliebten.

»Wie gut sieht der Bub aus!« sagte Clemens leise. »Das schönste Kind unter all den Lageschen Ahnenbildern … Du wirst ihn recht erziehen, meine Gitti.« –

»Das will ich, Clemens. Und du wirst mir helfen, ja, Geliebter?«

»Nein, das kann ich nicht«, entgegnete er schroff. »Dies Kind braucht deine Liebe und gutes, wohlerwogenes Manneswort des Erziehers Oswald. Ich hab’ genugsam am eigenen Leibe gespürt, was für Gifte sich in eine Erziehung mischen lassen. Und so soll Clemens-Hartmut niemals Spott und Ironie zu spüren bekommen, diese Register auf der Dissonanzenorgel, die man mir zog, und die ich nun am besten meistere.«

»Clemens! Mich hast du nur Liebe spüren lassen.«

»Du echtes Kind!« lachte er. »Mit deiner Verklärungskraft! Ist alles Weh schon vergessen, das dir von mir kam? Wie gut wäre ich bei dir aufgehoben gewesen! Und nun sag’ mir, Gitti, – und sieh mich an dabei, hörst du … wie ein plaudernder Knabe will ich dich fragen –: Was hat dir den tiefsten Eindruck gemacht in unserm gemeinsamen Erleben? Gelt: die geheimnisvollen Büttenpapiere? … Oder die Pietà? Über deren Wert du das für mich feinste Urteil faßtest, indem du Blumen küßtest und Bäume umarmtest. Oder …?«

»Dein Kuß war es!« rief ich ungestüm. »Ach, du weißt nicht, wie es ist, wenn man sich nach etwas sehnt und innewird, daß man es nie in seinem Leben erfahren kann … Da hast du es mir gegeben!« Und ich barg mein Gesicht in seine Hände und küßte sie.

»Du Seltsames«, sagte Ritter Lage. »Dafür dankst du mir? Für neue Welten und herb-süße Seligkeiten, die du mich kennen lehrtest, dankst du mir?«